Seine Antwort ist Terror und so bedrückend es auch ist – überraschen kann das nicht. Wladimir Putin hat in diesem Krieg immer wieder gezeigt, dass er nicht nur bereit ist, Zivilisten zu opfern, sondern dass es Kernbestandteil seiner Kriegsführung ist. Die Raketen, die am Montag (nicht zum ersten Mal) auf Kiew, Lwiw und andere Städte fielen, trafen Spielplätze, Parks, belebte Straßen – der militärische Nutzen ging also gegen null. Der Beschuss hatte neben der Demoralisierung der Menschen einen ganz anderen, niederen Grund: Vergeltung dafür, dass ein Symbol neoimperialer Kreml-Politik, die Krim-Brücke, beschädigt wurde.
Dass das System Putin derart um sich schlägt, ist auch Beleg wachsender Verzweiflung. Zur Wahrheit gehört aber: Trotz ihrer militärischen Erfolge wird die Ukraine an diesem Punkt verwundbar bleiben. Sie ist ein großes Land mit etlichen lohnenden Zielen, die sich nicht alle zugleich und gleich effektiv verteidigen lassen. Schon gar nicht mit der Sowjet-Luftabwehr, die Kiew zur Verfügung steht. Kein Allheilmittel, aber eine Hilfe wäre das moderne deutsche Abwehrsystem IRIS, dessen Lieferung seit Sommer versprochen, aber trotz mehrfacher Ankündigung (zuletzt durch die Verteidigungsministerin Anfang Oktober) bis jetzt nicht erfolgt ist. Das muss sich ändern, Berlin und die Nato müssen ihre Hilfe bei der Luftverteidigung verstärken. Denn zu befürchten ist, dass der Kreml seinen Krieg aus Wut und Frust immer schmutziger führt.
Marcus.Maeckler@ovb.net