Würzburg – Bayern hat sich mit einem bewegenden Trauerakt von einer seiner beliebtesten und angesehensten Politikerinnen verabschiedet. Barbara Stamm, frühere Präsidentin des Landtags, Sozialministerin und häufig als „soziales Gewissen der CSU“ betitelt, war vergangene Woche im Alter von 77 Jahren an einer Krebserkrankung gestorben.
Nachdem am Freitag im Dom ihrer Heimatstadt Würzburg zunächst rund 800 Bürger am aufgebahrten und mit einem weiß-blauen Rautenbanner bedeckten Sarg von der Politikerin Abschied genommen hatten, gaben der CSU-Politikerin anschließend Vertreter aus Politik und Gesellschaft das letzte Geleit. „Barbara war für uns alle auch ein Fixstern am Himmel Bayerns“, sagte Ministerpräsident Markus Söder. Stamm sei die „bayerische Queen der Herzen“ gewesen. Unter den Trauergästen im Kiliansdom waren neben Familienmitgliedern und Ministerpräsident Söder mit zahlreichen Mitgliedern seines Kabinetts auch Söders Vorgänger Edmund Stoiber und Günther Beckstein sowie Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU).
Barbara Stamms Tochter Claudia erinnerte bei der Zeremonie an die letzten Tage und Wochen im Leben ihrer Mutter – als sie etwa trotz bereits großer Schmerzen noch einmal nach Rumänien fuhr, um sich dort von Freunden und Weggefährten zu verabschieden. Stamm hatte sich lange Zeit für humanitäre und soziale Projekte in Rumänien engagiert und hatte dafür auch einen hohen rumänischen Verdienstorden erhalten. „Unsere Mutter war der großzügigste Mensch, den ich kenne“, sagte sie. Claudia Stamm schilderte der Trauergemeinde die letzten Stunden am Sterbebett, als die Familie Musikstücke hörte, die Kinder vorlasen und Barbara Stamm ein letztes Mal gelacht habe. Sie erinnerte auch an die langen, geselligen, fröhlichen Abende, die ihre Mutter so gern gefeiert habe. Stets habe sie die Tafelrunden zum Bleiben überredet mit dem Hinweis, man gehe erst „um halb“ – ein geflügeltes Wort. Nun sei es „halb“ für die Mutter.
Der Würzburger Bischof Franz Jung würdigte bei einem Pontifikalrequiem vor dem Staatsakt das soziale Engagement Stamms, die sich als gelernte Erzieherin unter anderem für behinderte Menschen, sozial Schwache und die Belange von Flüchtlingen eingesetzt hatte. Stamm war nicht nur 42 Jahre lang Landtagsabgeordnete für die CSU, sondern auch Landesvorsitzende der Lebenshilfe. Der Caritas-Diözesanverband Würzburg, wo Stamm als 2. Vorsitzende aktiv war, schrieb auf seiner Internetseite: „Danke, guter Gott, für Barbara Stamm!“
Söder würdigte die im Alter von 77 Jahren gestorbene Sozialpolitikerin als Kämpferin für Gerechtigkeit. „Wenn es um Gerechtigkeit ging, konnte sie eine Jeanne d’Arc sein“, sagte Söder. Sie habe für die Schwächsten in der Gesellschaft gekämpft. „Sie war immer im Dienst für andere, nie für sich selbst.“ Jedes Leben, jedes Schicksal sei ihr wichtig gewesen.
Aigner, seit 2018 die Amtsnachfolgerin als Landtagspräsidentin, bezeichnete Stamm als Kämpfernatur und Frau der klaren Worte. Sie habe sich für Kinder in Not und Menschen mit Behinderung eingesetzt: „Sie war und bleibt für mich eine bayerische Löwin.“ (mit mik/cd)