Iran begegnet der Trauer mit Tränengas

von Redaktion

Ärzte protestieren gegen Polizeipräsenz in den Kliniken – Baerbock will Beziehungen zu Teheran weiter einschränken

Teheran – 40 Tage nach dem Tod der iranischen Kurdin Mahsa Amini sind im Iran Menschenmassen auf die Straßen gegangen. In ihrer Heimatstadt strömten Menschen entlang einer Hauptstraße zum Grab, wie die Zeitung „Hammihan“ berichtete. Im Iran wird nach dem Tod eines Familienmitglieds traditionell 40 Tage getrauert. Zuvor hatten Aktivisten anlässlich des Trauertags zu landesweiten Protesten aufgerufen. In mehreren Städten sollen Sicherheitskräfte Berichten zufolge auf Demonstranten geschossen haben.

In der Hauptstadt Teheran gingen Sicherheitskräfte mit Tränengas gegen eine Demonstration von Ärzten vor. Die Mediziner demonstrierten gegen die Präsenz von Sicherheitskräften in den Kliniken, wo auch Teilnehmer der Proteste behandelt werden. Augenzeugen bestätigten ein massives Aufgebot von Polizisten und Kontrollen an den Hauptstraßen in Teheran. Viele Läden blieben aus Sorge vor Ausschreitungen geschlossen. Vielerorts riefen Demonstranten Slogans, die gegen die Islamische Republik gerichtet waren.

Gegen Abend kamen in Teheran auch Menschen zusammen, um ausgelassen auf der Straße zu singen. Im Norden der Metropole waren viele Frauen ohne Kopftuch zu sehen, wie Augenzeugen berichteten. Mehr als zehntausend Menschen sind im Zusammenhang mit den Protesten nach Angaben von Menschenrechtlern bisher festgenommen worden, mindestens 240 getötet.

Auch an Universitäten im Iran setzten Studenten ihre Protestaktionen fort. In Teheran und anderen Landesteilen gab es an den Hochschulen auch Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften, die gewaltsam vorgingen, wie auf Videos in sozialen Netzwerken zu sehen war. Diese Berichte ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Wegen des harten Vorgehens der iranischen Behörden verschärft Deutschland den Kurs gegen Teheran. Es könne kein „Weiter so“ in den bilateralen Beziehungen geben, teilte Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) mit. Über die auf EU-Ebene beschlossenen Sanktionen hinaus sollen zusätzliche nationale Einreisebeschränkungen verhängt werden. Die ohnehin eingeschränkten Wirtschaftskontakte sollen weiter reduziert werden, auch mit Blick auf noch bestehende Geschäftsbeziehungen iranischer Banken.

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