Washington – Über die künftigen Machtverhältnisse im US-Kongress herrscht nach den wichtigen Parlamentswahlen weiter keine Klarheit. US-Präsident Joe Biden nutzte die Hängepartie und bot den Republikanern aufs Neue die Zusammenarbeit an. Die erwartete Erfolgswelle war für die Partei von Bidens Vorgänger Donald Trump ausgeblieben, was den Ex-Präsidenten unter Druck setzt. Wenige Tage vor einer erwarteten erneuten Bewerbung für das Weiße Haus rieten ihm erste Verbündete, von einer Ankündigung zunächst abzusehen.
Bei der Parlamentswahl in der Mitte von Bidens Amtszeit war am Dienstag unter anderem über alle 435 Sitze des Repräsentantenhauses und gut ein Drittel der Senatssitze abgestimmt worden. Weder die Republikaner noch die Demokraten haben nach bisherigem Stand der Prognosen und Ergebnisse jedoch die Mehrheit der Sitze in Senat und Repräsentantenhaus.
In Georgia, Arizona und Nevada war auch gestern noch offen, ob Demokraten oder Republikaner die Senatorenposten bekommen. Im besonders knappen Rennen zwischen Amtsinhaber Raphael Warnock und dem republikanischen Herausforderer Herschel Walker in Georgia geht es am 6. Dezember in die Stichwahl.
Die Wähler hätten bei der Parlamentswahl demonstriert, dass sie nicht „an jedem Tag eine politische Schlacht durchleben wollen“, sagte Biden. Er vertrete zwar andere Ansichten als die Mehrheit der Republikaner, „aber sie sind anständige, ehrenwerte Leute“.
Bei den Republikanern mehren sich kritische Stimmen, die Trump dafür verantwortlich machen, dass diverse von ihm unterstützte Kandidaten ihre Rennen verloren. Angesichts der Ungewissheit über den Ausgang der Zwischenwahlen raten zudem erste Verbündete dem Ex-Präsidenten, mit der erwarteten Ankündigung einer erneuten Präsidentschaftskandidatur zu warten. Trump hatte für den 15. November eine „sehr große Mitteilung“ in Aussicht gestellt.
Alles müsse sich auf die Stichwahl am 6. Dezember in Georgia konzentrieren, sagte der langjährige Trump-Berater Jason Miller dem Sender „Newsmax“. Er empfehle, „bis nach dem Rennen in Georgia zu warten“. Ähnlich äußerte sich die frühere Sprecherin des Weißen Hauses unter Trump, Kayleigh McEnany, die nun Kommentatorin beim Sender Fox News ist.