Das CO2-Budget ist in neun Jahren aufgebraucht

von Redaktion

Während die Emissionen in Europa leicht sinken, gehen sie beispielsweise in Indien stark nach oben

München – Während bei der UN-Klimakonferenz in Ägypten konkrete Ergebnisse noch auf sich warten lassen, veranschaulicht ein Bericht von mehr als 100 Wissenschaftlern die Dringlichkeit einschneidender Maßnahmen. Das Papier des „Global Carbon Project“, an dem auch die Münchner LMU beteiligt ist, zeichnet ein alarmierendes Bild von dem bislang bescheidenen Bemühen, die weltweiten CO2-Emissionen zu senken.

In diesem Jahr liegt der Ausstoß von Treibhausgasen demnach bei 36,6 Milliarden Tonnen, etwas höher als vor der Pandemie. Werden noch die Landnutzungsemissionen eingerechnet, vor allem die Entwaldung in tropischen Regionen, ergibt sich ein Wert von 40,6 Milliarden Tonnen –geringfügig weniger als die bisherige Höchstmarke von 2019 (40,9).

Die Zahlen stehen in scharfem Widerspruch zu den Zielen der Pariser Klimakonferenz von 2015. Um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, dürften demnach nur noch 380 Milliarden Tonnen CO2 freigesetzt werden. Gemessen am aktuellen Ausstoß wäre diese Menge bereits in neun Jahren erreicht.

Dem Bericht zufolge hat sich das langfristige Wachstum der fossilen Emissionen zwar abgeschwächt. 24 Länder mit wachsenden Volkswirtschaften haben den Ausstoß sogar gesenkt. Um allerdings bis 2050 die angestrebte CO2-Neutralität zu erreichen, müsste der weltweite Ausstoß um durchschnittlich 1,4 Milliarden Tonnen pro Jahr sinken. Zum Vergleich: Das entspricht dem Rückgang im Jahr 2020, als aufgrund der Corona-Pandemie der weltweite Flugverkehr drastisch nachließ.

Als Hauptgrund für den jüngsten Wiederanstieg nennen die Autoren den höheren Ölverbrauch durch das gewachsene Flugaufkommen. Während in der EU (– 0,8 Prozent) und China (– 0,9) die Emissionen gegenüber dem Vorjahr jedoch sinken, nehmen sie in den USA um 1,5 Prozent zu, in Indien sogar um sechs.

Die Zahlen spiegeln auch die aktuellen geopolitischen Herausforderungen wieder. Die CO2-Einsparungen Chinas sind eine Folge der strengen Corona-Beschränkungen. In Europa macht sich der Verzicht auf russisches Gas bemerkbar (– 10 Prozent). Umgekehrt macht sich hier allerdings der Anstieg der Emissionen aus Kohle (6,7 Prozent) und Öl (0,9) bemerkbar.

Die Wissenschaftler des „Global Carbon Projects“ blicken deshalb mit Spannung, aber auch Skepsis auf die derzeit laufende Klimakonferenz in Ägypten. „Wir sehen einige positive Entwicklungen, aber bei Weitem nicht die tiefgreifenden Maßnahmen, die jetzt eingeleitet sein müssten, um die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu halten“, moniert Julia Pongratz, Professorin für Physische Geographie und Landnutzungssysteme an der LMU. Wenn die Stats- und Regierungschefs es wirklich ernst meinen mit den Zielen des Pariser Abkommens, müssten die bisherigen Ambitionen „verschärft“ und „ihre Umsetzung viel nachdrücklicher vollzogen werden“. MARC BEYER

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