Die digitale Kluft ist noch da, aber sie schließt sich. Wenn mehr als die Hälfte der über 70-Jährigen inzwischen täglich im Internet unterwegs ist, bedeutet das einen gesellschaftlichen Wandel im oft eher von Technik-Skepsis geprägten Deutschland. Die Pandemie hat hier sicherlich einen Schub geleistet – haben sich dadurch doch fast alle notgedrungen fortgebildet, wie sie online Kontakte halten, arbeiten oder lernen können. Und je mehr Senioren das Internet nutzen, desto weniger Menschen sind abgehängt.
Doch mit der Internetnutzung wächst auch die Cyberkriminalität rasant, und Senioren sind leider oft Opfer – nicht nur von Enkeltrick-Varianten auf Whatsapp. Hackerangriffe und Fälle von Identitätsklau nehmen zu. Schon vor fünf Jahren wünschten sich 80 Prozent der Bürger, dass die Politik mehr in spezielle Polizeieinheiten gegen Internetkriminalität investieren solle – das war noch vor Pandemie und Ukraine-Krieg. Heute gilt mehr denn je: Die Datensicherheit kann nicht nur an einem oft überforderten Nutzer hängen.
Und so notwendig die Digitalisierung ist: In einer Gesellschaft mit fitten 70-Jährigen, aber auch immer mehr Hochaltrigen, müssen analoge Möglichkeiten bleiben. Für manche alleinstehenden Senioren, für die das Gespräch in der Bankfiliale ein wichtiger Kontakt ist, wäre die reine Beschränkung auf digitale Aktivitäten einsamer als der härteste Lockdown.
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