Turbulenzen bei Twitter

So schlimm wie befürchtet

von Redaktion

VON MARC BEYER

Schon bevor Elon Musk das Kommando übernahm, trug Twitter Züge des Multimilliardärs. Der Kurznachrichtendienst war omnipräsent, oft unterhaltsam, aber zuweilen auch eine echte Zumutung. Doch selbst, wer Twitter von seiner übelsten Seite kennenlernte, hätte nicht gedacht, dass sich das Chaos noch derart potenzieren ließe. Kein Tag vergeht, ohne dass Musk mit abstrusen Ideen seine notorische Sprunghaftigkeit beweist.

Die schlimmsten Befürchtungen scheinen sich gerade zu bewahrheiten. Es ist nicht nur das Chaos um Massenentlassungen und umgehende Rückzieher oder um blaue Häkchen, die eine Art Gütesiegel waren und nun an jedermann verscherbelt werden. Wirklich beunruhigend ist die Mischung aus Hohn, Hass und Desinformation, die sich offenbar ungehindert ausbreiten kann, weil Musk nicht mal mehr Anstalten macht, so etwas wie eine Ordnung herzustellen.

Nach kaum zwei Wochen zeigt sich, dass das einflussreiche Medium tatsächlich in die falschen Hände geraten ist. Wer abwandernden Werbekunden eine „thermonukleare“ Reaktion androht, darf sich nicht wundern, wenn man ihn für irre hält. Seín Ziel, mit dem defizitären Dienst Geld zu verdienen, wird Musk so nicht erreichen. Im Gegenteil: Twitternutzer fliehen in Scharen, weil sie mit ihm nichts mehr zu tun haben wollen. Macht er so weiter, wird er das Netzwerk im Alleingang ruinieren. Einen Teil davon würde man nicht mal vermissen.

Marc.Beyer@ovb.net

Artikel 7 von 11