DIRK WALTER
Er war als Hoffnungsträger gestartet, aber durch tiefgehende strategische Überlegungen ist CSU-Generalsekretär Martin Huber bisher nicht aufgefallen. Schlagzeilen macht er nur in eigener Sache: als Plagiator, der nun notgedrungen auf das Führen eines Doktortitels verzichtet. Mit Verlaub, der ganze Vorgang ist hochnotpeinlich. Huber wäre gut beraten gewesen, schon nach dem Aufkommen der Vorwürfe von sich aus auf den Doktortitel zu verzichten. Dass er darauf spekulierte, er komme vielleicht mit seiner fadenscheinigen Arbeit durch, und das (nun doch sehr eindeutige) Urteil der Münchner Universität abwartete, zeugt von wenig Fingerspitzengefühl. Eine Blamage ist es aber auch für den Instinktpolitiker Dr. Söder, der bei der Wahl seiner Generalsekretäre zum zweiten Mal danebengelangt hat.
Es ist schon beschämend, dass Politiker glauben, sie müssten unbedingt Doktortitel führen, um in ihrer Karriere vorwärts zu kommen. Nein, sie müssen es nicht. Martin Huber kann ein fähiger Politiker sein, auch ganz ohne Titel. Aber leider: Die Liste derjenigen (nicht nur in der CSU), deren Titel aberkannt wurde, ist schon recht stattlich. Zur Wahrheit gehört freilich auch, dass zu solchen Betrügereien immer zwei gehören: Auch die Universitäts-Institute (in diesem Fall die bayerische Landesgeschichte) stehen nicht gut da. Bei Huber wurde akzeptiert, dass ein aktiver CSU-Politiker über seine eigene Partei promoviert. Es muss endlich Schluss sein mit solchen Gefälligkeits-Dissertationen.
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