VON KLAUS RIMPEL
Immerhin, sie reden. In Zeiten, da China ganz offen mit der gewaltsamen Annektierung (oder nach Pekings Lesart „Heimholung“) Taiwans droht, ist es schon eine gute Nachricht, dass Xi Jinping und Joe Biden überhaupt drei Stunden lang miteinander gesprochen haben. Und dass sich die Rivalen laut Biden gemeinsam gegen russische Atom-Drohungen stellen, wird seine Wirkung in Moskau nicht verfehlen: Auf Pekings Rückhalt für den Ukraine-Krieg kann Wladimir Putin nur noch sehr begrenzt setzen. Aber jenseits der Ablehnung eines Atom-Krieges enden die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Supermächten. Xi und Biden ließen nach dem Gespräch verlauten, sie hätten sich gegenseitig die „roten Linien“ in Sachen Taiwan aufgezeigt – doch die jeweiligen Grenzen kollidieren: Der US-Präsident hat wiederholt deutlich gemacht, dass er Taiwan im Falle eines chinesischen Überfalls auch militärisch unterstützen würde. Und Xi wiederum sieht Taiwan als „interne Angelegenheit Chinas“, in die sich die USA nicht einmischen dürften.
Die vage Hoffnung ist, dass Xi eine prosperierende Wirtschaft wichtiger ist als dumpfer Nationalismus. Die ökonomische Krise infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine müsste eigentlich auch Xi zu denken geben. Denn seine Macht fußt darauf, dass er der chinesischen Bevölkerung einen stetigen Wohlstands-Zuwachs verschaffen konnte. Ein Krieg der beiden Supermächte um Taiwan wäre jedoch nicht nur eine humanitäre Katastrophe, sondern auch ein Desaster für die Weltwirtschaft.
Klaus.Rimpel@ovb.net