Brenner-Nordzulauf

Alle gegen die Bahn

von Redaktion

JOSEF AMETSBICHLER

Verspätungen, Zugausfälle, marode Gleise, eine zweite S-Bahn-Stammstrecke, die nicht fertig wird: Die Deutsche Bahn hat genug Imageprobleme am Hals. Bei der Planung des Nordzulaufs zum Brenner-Basistunnel ist ein weiteres hinzugekommen: Die Menschen in den betroffenen Regionen um Rosenheim und Ebersberg glauben nicht mehr an die Ehrlichkeit der Bahn-Planer.

Der Konzern versteift sich darauf, man halte sich strikt an objektive Prüfkriterien – damit die Gleisbau-Pläne vor Gericht bestehen. An dieser Objektivität gibt es Zweifel, die die Bahn nicht zerstreuen kann. Viele Anlieger – vermutlich die Mehrheit – wollen eine andere Trasse oder massive Nachbesserungen. Problematisch ist, dass der Dialog vor Ort größtenteils unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Wer so erklärt, hat schon verloren.

Befeuert dadurch ist den Lokalpolitikern an der Strecke das bemerkenswerte Kunststück gelungen, den Landtag und die Staatsregierung für ihre Sache einzuspannen. Das Parlament stellt sich gegen die Bahn: eine neue Eskalationsstufe. Der bayerische Mehrheitsbeschluss hat zwar nur Symbolcharakter. Entscheiden, was gebaut wird, muss voraussichtlich 2025 der Bundestag. Aber Berlin muss dabei einpreisen, dass es umsetzungsfähige Gegenvorschläge gibt. Diese sind vor Ort momentan populärer als die Ideen der Bahn – die in Sachen Großprojekte ohnehin keinen Ruf mehr zu verlieren hat.

Josef.Ametsbichler@ovb.net

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