Polizei verstärkt Flughafen-Schutz

von Redaktion

Scholz: Klima-Kleber-Aktionen sind „verfehlt“ – Herrmann fordert „harte Strafe für Chaoten“

München/Berlin – Wie schnell man einen hochgesicherten Flughafenzaun überwinden kann, hat Bayerns Polizei heuer ausprobiert. In drei Sekunden schafften es mehrere trainierte Beamte über drei Meter Zaun inklusive Stacheldrahtrolle. Drei weitere Sekunden brauchte es, um die Aktivisten auf der anderen Seite zu fassen und auf den Bauch zu legen. Ende Februar war das, als die Polizei eine geplante Störaktion recht kläglich enden ließ.

Ein Video des Einsatzes am Münchner Airport kursiert im Netz. Es ist das Gegenteil dessen, was am Donnerstag in Berlin zu erleben war. Dort durchschnitten Demonstranten den Flughafenzaun in aller Ruhe, setzten sich aufs Vorfeld, mindestens einer radelte sogar über die Pisten – der gesamte Flugbetrieb wurde für gut eine Stunde gestoppt. Fünf Starts wurden laut Flughafen gestrichen. 15 geplante Landungen wurden demnach etwa nach Leipzig und Dresden umgeleitet.

In Berlin ahnt man inzwischen, dass das Sicherheitskonzept zu überdenken ist, wenn der Zutritt zur Startbahn so leicht ist. Das können ja auch Nachahmer sehen, oder schlimmstenfalls Terroristen. Der örtliche Betreiber kündigt Gespräche mit der Polizei an. Gegen die Berliner Aktivisten wurde Anzeige wegen gefährlichen Eingriffs in den Flugverkehr, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung erstattet. Fünf Männer und eine Frau zwischen 20 und 32 Jahren wurden festgenommen. Ob es Schadenersatz-Forderungen gibt, ist vorerst offen. Nach eigenen Angaben hat die Gruppe „Letzte Generation“ 210 000 Euro an Spenden gesammelt.

Kann die Radikalisierung der Klima-Kleber auch dem Münchner Flugbetrieb gefährlich werden, wo deutlich mehr Flüge und Passagiere als in Berlin betroffen wären? Die Bundespolizei am Airport sagt, man reagiere „sensibel“ auf den Berliner Vorfall, wolle aber keine Details zur Einsatztaktik nennen. Nur so viel: Die Bestreifung der 42 Kilometer Flughafen-Zaun „passen wir flexibel an“.

In der Politik verliert die „Letzte Generation“ immer weiter an Sympathie. Und das quer durch alle Parteien. „Ich will klar sagen, dass ich diese Aktionen für verfehlt halte“, sagt Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in einem Focus-Interview. Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) wirft den Tätern vor, dem eigenen Anliegen schwer zu schaden. „Es ist ein Bärendienst für das wichtige Anliegen des Klimaschutzes.“

„Kontraproduktiv, anmaßend und potenziell gefährlich“ sei die Aktion, schimpft Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz. Von „Klima-Kriminellen“ spricht die FDP. Die AfD fordert den Einsatz des Verfassungsschutzes. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) verlangt gegenüber unserer Zeitung, der Rechtsstaat dürfe sich „hier keine Blöße geben. Diese Chaoten müssen hart bestraft werden.“ Die Aktion am Flughafen habe eine weitere Grenze überschritten und zeige, dass die Aktivisten „bereit sind, über Straßenblockaden hinaus lebensgefährliche Straftaten zu begehen“.

Die Aktivisten kündigten am Freitagabend an, bis Ende nächster Woche keine Aktionen in München und Berlin abzuhalten. Zugleich warnten sie vor neuen Protesten mit mehr Schlagkraft. Man werde die Zeit nutzen, um „die vielen Menschen, die sich der Bewegung aktuell anschließen, ordentlich zu trainieren“, um dann „mit noch mehr Menschen wiederzukommen“. cd

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