An diesem Wochenende beginnt mit dem ersten Advent ein neues Kirchenjahr. Der weihnachtliche Festkalender begleitet uns von Sonntag an bis zum 6. Januar, unserem Dreikönigstag. Dazu haben wir unsere schönen Weihnachtslieder, allen voran das unsterbliche „Wie soll ich dich empfangen und wie begegn’ ich dir“ von Paul Gerhardt.
Wie bei uns hat das gemeinsame Singen von Weihnachtsliedern ebenso in der Ukraine eine lange Tradition. Und wie die deutschen Weihnachtslieder um die Welt gegangen sind, so ist es auch mit den weihnachtlichen Texten und Melodien der Ukraine.
Aber nicht nur deswegen steht unsere Weihnachtszeit in diesem Jahr ganz in der Verbindung zu den bedrängten Menschen in der Ukraine.
Dem Land steht ein grauenhafter Kriegswinter bevor. Wladimir Putin, der diesen Krieg blutig angefangen hat, lässt in keiner Weise erkennen, ihn beenden zu wollen. Im Gegenteil: Er befiehlt Kriegsverbrechen, indem er die ganze Energieversorgung der Ukraine zerstört.
Die Erfolge des ukrainischen Militärs bei der Rückeroberung von besetzten Gebieten sind beachtlich. In allen zurückeroberten Orten finden sich Spuren von Folter und Mord durch die Besatzer. Denn die Ukraine als Nation mit ihrer großen eigenen Kultur bis zu den Weihnachtsliedern will der Kremlherrscher auslöschen.
Viele Flüchtlinge aus der Ukraine, Frauen und Mütter vor allem, haben wir aufgenommen. Gut möglich, dass wir aus dem bedrängten Land noch viel mehr Menschen werden aufnehmen müssen. Wenn wir ihnen jetzt in der Vorweihnachtszeit begegnen, vielleicht in einem ukrainischen Weihnachtskonzert, die es jetzt in vielen Orten gibt, können wir uns mit ihnen verbinden durch weihnachtliche Klänge in der schönen ukrainischen Sprache.
Wenn ukrainische Familien am 6. Januar ihren Heiligabend (nach dem Julianischen Kalender) feiern, dann erklingt zuerst das Lied „Neue Freude ist gekommen“, mit einem Text, der uns erinnert an „O du fröhliche …:
„Neue Freude ist gekommen, wie es sie noch nie gegeben hat,
der Stern über der Krippe erstrahlte in der ganzen Welt.
Wo Christus geboren wurde von einer Jungfrau Fleisch geworden,
als Mensch in einfaches Tuch gewickelt,
Hirten mit ihren Lämmern fallen auf die Knie vor diesem Kind und preisen Gott.“
Das wichtigste ukrainische Lied aber zu diesem Weihnachten gilt der ganzen Welt. Es heißt:
„Tebje pojem“ – O Herr, gib Frieden.“
Der Wunsch nach Frieden in Europa muss hier und heute unsere gemeinsame Weihnachtsbotschaft sein. Wir fordern das freilich vergeblich von einem System Putin. Dessen Weihnachtsfrieden und Silvestersegen besteht darin, auf das ukrainische Volk Bomben herabregnen zu lassen. Wir Deutschen wollen mal wieder unsere Hände in Unschuld waschen. Unterlassene Hilfeleistung aber ist eine sehr unweihnachtliche Sünde. Doch wir haben einen Bundeskanzler, eine sogenannte deutsche Verteidigungsministerin dazu, die bis heute zögern, der Ukraine unser Raketenabwehrsystem Patriot zur Verfügung zu stellen. Das schickt man dann lieber nach Polen.
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