Michalovce – An die Ukraine gelieferte deutsche Waffen werden künftig in einem Werkstattzentrum in der Slowakei repariert und gewartet. Militärvertreter der beteiligten Staaten und der deutsche Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann (KMW) nahmen den Stützpunkt („Hub“) am Montag in Michalovce unweit der ukrainischen Grenze in Betrieb. „Für uns ist das ein ganz wichtiger Beitrag zur Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte. Wir können damit dazu beitragen, dass die von uns übergebenen und so erfolgreich eingesetzten Waffensysteme auch dauerhaft einsatzbereit sind“, sagte Brigadegeneral Christian Freuding, Leiter des Sonderstabes Ukraine im Verteidigungsministerium.
Die erste Panzerhaubitze war am Montag noch auf einem Tieflader über Polen unterwegs. Sie kommt aus Litauen und muss den Weg über derzeit teils verschneite Überlandstraßen nehmen. Von nun an sollen die beim Fronteinsatz verschlissenen Waffensysteme aber direkt aus der Ukraine in die Slowakei gebracht werden. Das dauere nur drei bis vier Tage, sagt ein Vertreter des ukrainischen Militärs, der sich für die „ganz entscheidende Hilfe“ bedankt. Dass ukrainische Techniker künftig gleich mitausgebildet werden könnten, ist eine Hoffnung.
Deutschland hat der Ukraine bisher 14 Stück der Panzerhaubitze 2000, 5 Mehrfachraketenwerfer Mars und 30 Flugabwehrkanonenpanzer Gepard übergeben. Es sollen noch 7 weitere Gepard geliefert werden. Zudem wurden 50 gepanzerte Mannschaftransporter vom Typ Dingo überlassen. Zunächst konzentrieren sich die Reparaturarbeiten auf dieses Militärgerät, wobei aus Deutschland auch Waffen anderer Hersteller an die Ukraine übergeben wurden. Denkbar ist, dass sich auch andere deutsche Unternehmen der Infrastruktur bedienen. Andere Nationen haben Interesse erkennen lassen, sich zu beteiligen. Die Niederlande haben acht Panzerhaubitzen, die Italiener drei überlassen.
Der Reparaturstützpunkt liegt innerhalb eines Kasernengeländes am Rande der Stadt Michalovce. Die Leichtbauhalle bietet sechs Werkstattplätze unter einer Krananlage und wurde binnen zwei Wochen aus dem Boden gestampft. Von Michalovce sind es knapp 40 Kilometer bis in die Ukraine.
KMW-Chef Ralf Ketzel betont die kurzen Wege. „Wir haben das in den Auslandseinsätzen der Bundeswehr auch immer praktiziert: Man muss vor Ort sein.“ Zunächst stehen Reparaturen wegen Verschleiß an. Im Falle von Angriffen auf die Fahrzeuge kann im Notfall aus beschädigtem Material ein funktionierendes Waffensystem gebaut werden.
Beim Kampfeinsatz ist die Belastung des Materials wegen der hohen Schussfolge erheblich, wie Experten am Beispiel der Panzerhaubitze 2000 festgestellt haben. Bislang wurde – nach allem, was man in Deutschland wissen kann – noch keine Panzerhaubitze 2000 durch das russische Militär zerstört. Die Panzerhaubitze gilt als eines der modernsten Artilleriegeschütze weltweit.
Währenddessen gehen die Angriffe auf die Ukraine weiter. Die Kämpfe in den Ortschaften Bachmut und Awdijiwka im Donbass dauern laut Kiew an. Aus Cherson im Süden der Ukraine wurden mehrere Angriffe aus russischen Mehrfachraketenwerfern gemeldet. In einer Videokonferenz mir den G7-Staaten forderte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Waffen und Erdgas. Sein Land brauche zwei Milliarden Kubikmeter Gas, um durch den Winter zu kommen, sagte Selenskyj. C. HOFFMANN