Brüssel – Die Hinrichtung eines weiteren Demonstranten im Iran hat in Europa für Entsetzen gesorgt. Die Außenminister der EU-Staaten verurteilten am Montag die Exekution des wegen „Kriegsführung gegen Gott“ angeklagten Madschid-Resa R. und forderten die Annullierung aller weiteren Todesurteile. Zudem wurden weitere Sanktionen verhängt. Sie träfen jene, „die für diese Gewalt gegen unschuldige Menschen verantwortlich sind“, sagte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) in Brüssel – vor allem die Revolutionsgarden.
Die Hinrichtungen bezeichnete Baerbock als unglaubliche Verbrechen und als unverhohlenen Einschüchterungsversuch gegen Menschen, die ihre Meinung auf die Straße tragen. Sie seien ohne fairen Prozess erfolgt.
Kurz vor dem Beginn des Außenministertreffens war bekannt geworden, dass iranische Behörden im Zuge der systemkritischen Proteste einen zweiten Demonstranten hinrichten ließen. Madschid-Resa R. wurde nach Angaben der Justiz am Montag in der Stadt Maschad im Nordosten des Landes öffentlich gehängt. Der Mann soll während der Proteste im November zwei Mitglieder der berüchtigten paramilitärischen Basidsch-Miliz mit einem Messer getötet haben.
Zuvor war am vergangenen Donnerstag bereits der Rap-Musiker Mohsen S. hingerichtet worden. Seine Exekution war die erste gewesen, die im Zusammenhang mit den systemkritischen Protesten seit Mitte September bekannt geworden war. Mohsen S. soll ein Basidsch-Mitglied mit einer Waffe angegriffen, Schrecken verbreitet und eine Straße blockiert haben.