Vorstoß zum Renteneintritt

Macht Scholz den Schröder?

von Redaktion

SEBASTIAN HORSCH

Es gibt Nachrichten, da reibt man sich kurz die Augen. Dass Olaf Scholz die Deutschen dazu drängen will, länger zu arbeiten, ist so eine. Denn es waren doch er und seine Partei, die maßgeblich daran mitgewirkt haben, dass viele Arbeitnehmer nicht bis 67 im Beruf bleiben.

2013 boxte die SPD die sogenannte Rente mit 63 gegen die Union durch, die sich im Gegenzug die Mütterrente zusichern ließ. Wer 45 Beitragsjahre vorweisen kann, kann seither abschlagsfrei früher in Rente gehen – wie früh, hängt von seinem Geburtsjahr ab. So sehr das jedem zu gönnen ist: Schon damals war klar, was mit dem demografischen Wandel auf uns zukommt, und dass ein solches Signal kontraproduktiv für die Tragfähigkeit des Systems sein würde. Denn so kompliziert Rentenpolitik im Detail ist, so einfach ist sie im Grundsatz: Wenn immer weniger Junge für immer mehr Rentner zahlen, steigen entweder die Beiträge, oder das Rentenniveau sinkt, oder wir arbeiten länger. Noch im Wahlkampf vermittelte Scholz in der Diskussion um das Rentenalter aber ein anderes Bild. All die prognostizierten Horrorszenarien seien doch bisher dank hoher Beschäftigung nie eingetreten, beruhigte der spätere Wahlsieger.

Nun scheint Scholz seinen Beschwichtigungen selbst nicht mehr ganz zu glauben. Und auch wenn die SPD die Aussagen des Kanzlers bereits relativiert: Dass er den Handlungsdruck sieht, ist gut. Wer weiß: Vielleicht ist es – ähnlich wie bei Gerhard Schröders Agenda 2010 – am Ende wieder ein SPD-Kanzler, der die Reformen anpackt, vor denen sich seine Vorgänger gedrückt haben.

Sebastian.Horsch@ovb.net

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