EU-Pläne zu Importen

Ein Gaspreisdeckel ist überflüssig

von Redaktion

MATTHIAS SCHNEIDER

Die EU-Energieminister wollen die Erdgaspreise schon beim Import deckeln. Gut so, könnte man meinen, verdienen Exportländer wie die USA und Katar doch derzeit mindestens das Fünffache. Der Haken: Europa sitzt am kürzeren Hebel. Weil man sich in der Vergangenheit auf russisches Gas verlassen hat, wurden kaum Verträge mit anderen Lieferländern geschlossen. Diese können nun verlangen, was sie wollen – die Alternative wäre gar kein Gas – und höhere Preise als vor dem Deckel.

Deshalb hat Europa für viel Geld den internationalen Flüssiggasmarkt leergekauft. Wichtigster Konkurrent ist dabei Asien mit Ländern wie Japan, Südkorea und China. Die setzen längst auf Energie per Schiff. 2022 war Gas deshalb an Europas Börsen meist teurer als an den Marktplätzen in Japan und Korea. Wenn die Preise in Europa zu weit fallen, fahren die Tanker lieber nach Asien. Ein Gaspreisdeckel müsste deshalb so hoch sein, dass er immer über den Preisen in Ostasien liegt. Viel bringen würde das aber nicht: In den vergangenen vier Wochen lagen die europäischen Preise im Mittel gerade einmal sieben Prozent über den ostasiatischen.

Ein Gaspreisdeckel ist deshalb bestenfalls überflüssig. Sinnvoller wäre es, wenn die EU-Staaten ihre Kräfte beim Einkauf bündelten. Denn wie stark der Markt auf gute Nachrichten reagiert, zeigt die Eröffnung des ersten deutschen Flüssiggasterminals am Samstag: Seit Donnerstag fielen die Preise um gut 20 Prozent – und damit erstmals seit Kriegsbeginn unter das Niveau in Ostasien.

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