Eine Million Arten sind vom Aussterben bedroht, die Aussterberate hat sich gegenüber dem Durchschnitt der vergangenen zehn Millionen Jahre verhundertfacht. Diese abstrakten Zahlen werden erschreckend konkret, wenn man sich daran erinnert, wie groß die Vogelschwärme waren, die noch vor 30, 40 Jahren unseren Himmel bevölkerten.
Es geht beim Artenschutz nicht nur um Symboltiere wie Elefanten oder Orang-Utans. Jedes kleine Insekt, jede noch so unscheinbare Pflanze ist ein Baustein im großen Ganzen. Und wie bei einem Jenga-Spiel bricht der Turm irgendwann zusammen, wenn zu viele dieser kleinen Steinchen herausgenommen werden. Insofern ist der Beschluss von Montréal eine gute Nachricht. Die Weltgemeinschaft erkennt an, dass die Zerstörung des Lebensraums für Wildtiere ein Problem ist, das unsere Zukunft genauso zentral bestimmt wie der Klimaschutz. Aber wie bei den vielen Klima-Abkommen wird es auch beim nun vereinbarten Ziel, 30 Prozent der Land- und Meeresfläche zu Schutzgebieten zu erklären, auf die Umsetzung ankommen. Zumal die Ziele ins Jahr 2030 verschoben werden, nach dem beliebten Motto: Sollen sich doch künftige Regierungen darum kümmern. Schlüsselstaaten beim Artenschutz wie der Kongo sind zudem derart instabil, dass es schwierig wird zu kontrollieren, ob Gelder dort wirklich zum Wohl der Ökosysteme eingesetzt werden. Trotzdem: Wir müssen jetzt alles versuchen.
Klaus.Rimpel@ovb.net