Kliniken: Notaufnahme nur im Notfall

von Redaktion

VON SEBASTIAN HORSCH

München – Halbwegs gute Nachrichten haben in letzter Zeit ja fast schon Schlagzeilenpotenzial. Auch deshalb ist es eine berichtenswerte Neuigkeit, dass die Bayerische Krankenhausgesellschaft (BKG) die Lage in den Kliniken im Freistaat insgesamt als „noch beherrschbar“ einstuft. Zwar sei die Situation in einzelnen Standorten und besonders Kinderkrankenhäusern durchaus schwierig, sagt BKG-Sprecher Eduard Fuchshuber auf Nachfrage unserer Zeitung. „Aber nicht flächendeckend in ganz Bayern.“ Wer eine Vorsorgeuntersuchung oder eine Operation vereinbart habe, könne diese Termine also ohne Sorge wahrnehmen.

Der Vorstandschef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) – das ist die Dachorganisation der BKG – hatte am Wochenende noch anders geklungen. „Wir dürften beim Personal mittlerweile bei einem Ausfall von neun bis zehn Prozent liegen, das heißt, fast jeder zehnte Mitarbeiter ist erkrankt“, schlug Gerald Gaß Alarm. Das führe dazu, dass zurzeit in einer ganzen Reihe von Krankenhäusern Betten gesperrt seien oder ganze Stationen abgemeldet werden müssten.

Eugen Brysch, Vorstand der Stiftung Patientenschutz, hatte daraufhin vor „Panikmache“ gewarnt und den Klinik-Vertretern „Sirenengeheul“ vorgeworfen. Wenn im Jahresschnitt 7,72 Prozent der Pflegekräfte krank seien, dann sei angesichts des aktuellen Infektionsgeschehens und in der Vorweihnachtszeit eine Krankheits-Quote von zehn Prozent doch vorhersehbar. Und überhaupt: Außerhalb der Krankenhäuser wisse niemand, wie die Lage auf den unterschiedlichen Stationen wirklich sei. Intransparenz gehöre zum Geschäftsmodell deutscher Krankenhäuser, klagte Brysch.

Tatsächlich müssen die Kliniken ihre Ausfallzahlen genauso wenig offenlegen wie andere Unternehmen. Einen konkreten Wert für Bayern hat BKG-Sprecher Fuchshuber somit nicht parat. Klar sei allerdings, dass die Krankenhäuser aufgrund von Mitarbeiter-Mangel ohnehin immer gezwungen seien, beim Personal zu „jonglieren“. Darüber hinaus gebe es derzeit aber zumindest „kein bayernweites Problem“.

Auch was Corona-Patienten betrifft, habe es zuletzt zwar eine leichte Zunahme gegeben – diese sei aber „noch nicht dramatisch“, sagt Fuchshuber. Vom zwischenzeitlichen Tiefstand Ende November gerechnet, sei die Zahl der Patienten mit Corona-Infektion in Bayerns Krankenhäusern insgesamt von 1600 auf 2400 angestiegen. Auf den Intensivstationen stieg die Zahl der Patienten, bei denen eine Covid-Infektion nachgewiesen wurde, von 125 auf 160.

Etwas mehr Sorge bereitet den bayerischen Krankenhäusern hingegen, was sich zum Jahresende in den Notaufnahmen entwickeln könnte. Denn wenn viele Kinder- und Hausarztpraxen in den Weihnachtsferien sind oder keine neuen Patienten mehr aufnehmen, droht sich ein Problem noch zu verschärfen, dass die Notaufnahmen schon länger beschäftigt: Sie werden mit medizinischen Bagatellfällen überflutet und von vielen Mitbürgern mit einer Art Rund-um-die-Uhr-Arztpraxis verwechselt. In Google-Rezensionen wird sich anschließend über die nervigen Wartezeiten ausgelassen. „Mit einem wirklichen Notfall sollte man hier nicht vorbeikommen“, schreibt einer.

Die BKG appelliert hingegen nochmals an die Patienten, die Notaufnahmen der Krankenhäuser nur in wirklichen Notfällen aufzusuchen. Bei leichteren Erkrankungen sei der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117 der richtige Ansprechpartner.

Wieder mehr Patienten mit Corona in den Krankenhäusern

Artikel 7 von 11