Putin: „Werden alle unsere Ziele erreichen“

von Redaktion

Mehr Soldaten, mehr Geld, mehr Waffen: Russlands Präsident stimmt das Land auf einen langen Krieg ein

Moskau – Russland will seinen Krieg in der Ukraine auch im kommenden Jahr bis zur Erfüllung aller Ziele in den besetzten Gebieten weiterführen. „Ich bin sicher, dass wir Schritt für Schritt alle unsere Ziele erreichen“, sagte Präsident Wladimir Putin am Mittwoch bei einer vom Staatsfernsehen übertragenen Sitzung des Verteidigungsministeriums. Man werde die vier annektierten ukrainischen Regionen bis zum Schluss verteidigen – trotz westlicher Waffenlieferungen.

In den letzten Wochen hat der Kreml in der Ukraine militärische Niederlagen hinnehmen müssen. Zur Erklärung behauptet der 70-Jährige immer wieder, Russland müsse sich gegen den gesamten Westen zur Wehr setzen – so auch am Mittwoch. Die Nato setze ihr ganzes militärisches Potenzial ein, sagte Putin und stellte sich dabei wie gewohnt als Opfer dar: Nicht Russland habe die Aggression begonnen, sondern der Westen, der 2014 den Umsturz in der Ukraine unterstützt habe. Über Jahre habe er eine Annäherung an den Westen versucht, sei aber dort nicht erwünscht gewesen.

Die Erfahrung im Kampf gegen den Einsatz von Nato-Waffen in der Ukraine solle analysiert und genutzt werden für den Aufbau der russischen Streitkräfte, sagte der Kreml-Chef. „Unsere militärischen Möglichkeiten wachsen mit jedem Tag.“ Zugleich verlangte er ein höheres Tempo bei der Aufrüstung und Modernisierung der Streitkräfte, vor allem beim Einsatz von Drohnen. Sie müssten auf allen Ebenen der Kampfführung verfügbar sein, sagte Putin. Bislang gelten Drohnen als Schwachpunkt der Armee.

Für die weitere Aufrüstung gebe es „keine finanziellen Beschränkungen“. Putin beteuerte einmal mehr, dass die bei der Teilmobilmachung einberufenen 300 000 Reservisten ausreichend seien. Seit Wochen weist der Kreml Ängste zurück, es könne eine zweite Welle der Mobilmachung geben. Hunderttausende Russen sind deshalb ins Ausland geflohen.

Lösen will Russland den Personalmangel über mehr Soldaten im aktiven Militärdienst. Verteidigungsminister Sergej Schoigu schlug vor, ihre Zahl auf 1,5 Millionen anzuheben. Das entspricht einer Aufstockung um 350 000 Soldaten. Zugleich wird der Alterszeitraum, in dem Männer eingezogen werden können, erweitert. Schoigu schlägt 30 Jahre als Höchstgrenze vor. Bisher wurden in Russland vor allem junge Männer ab 18 Jahren einberufen.

Er und Putin kündigten zudem die Indienststellung neuer Waffen an. Trotz Verzögerungen werde Russland seine mit Atomsprengköpfen bestückbare neue Interkontinentalrakete vom Typ Sarmat bald einsatzbereit haben. „Alles wird realisiert“, sagte Putin, räumte aber ein, dass es „Abweichungen von den Zeitplänen“ gebe. Ursprünglich hatten die Raketen (NATO-Codename: SS-X-30 Satan 2) bereits im Herbst bei den Streitkräften stationiert sein sollen.

Die Rakete hat eine Reichweite von 18 000 Kilometern und ist mit mehreren Atomsprengköpfen bestückbar. Schoigu sagte, dass nächstes Jahr 22 Startrampen für Interkontinentalraketen in Betrieb genommen werden sollten, darunter für die Typen Sarmat, Avantgarde und Jars. In Dienst gestellt werden sollten außerdem drei Langstreckenbomber vom Typ Tupolew Tu-160M, fünf U-Boote und zwölf Kriegsschiffe. Eine Fregatte soll schon im Januar mit Antischiffsraketen vom Typ „Zirkon“ ausgestattet werden, die angeblich ebenfalls Hyperschallgeschwindigkeit entwickeln können.

Russland, sagte Putin zum Abschluss, sei allen militärischen Herausforderungen gewachsen. Man werde sich gegen die „Bedrohung durch die Nato“ zu verteidigen wissen.

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