Debatte um Nachhaltigkeit

Von der Energie- in die Ökokrise

von Redaktion

VON MIKE SCHIER

Die Debatte um Klima- und Naturschutz hat kurz vor dem Jahresende eine seltsame Schieflage bekommen. Während selbst ernannte Aktivisten mit hirnrissigen Aktionen ihre Schlagzeilengier befriedigen (am Brandenburger Tor sägten gestern einige besonders Schlaue die Spitze des Weihnachtsbaums ab), rückt fast aus dem Blickfeld, wie sich in der Energie- und Wirtschaftskrise die deutsche Ökobilanz zu verschlechtern droht.

Mit der galoppierenden Inflation bricht gerade der Bio-Boom der letzten Jahre bei Lebensmitteln in sich zusammen. Viele, die während der Pandemie noch in den Hofladen des örtlichen Öko-Landwirts stürmten, gehen wieder zum billigen Discounter. Ein Trend, der auch vor den Grünen-Wählern der Großstädte nicht haltmacht, weshalb die Supermarktkette Basic sogar vor der Pleite steht. Gerade im ländlichen Raum gilt es aufzupassen, dass mühsam geschaffene Strukturen nicht zerstört werden.

Auch aus dem Energiesektor kommen bedenkliche Signale: Im laufenden Jahr wuchs der Anteil von Braun- und Steinkohle beim Stromverbrauch von 28,3 auf 31,9 Prozent. Hinzu kommt: Noch immer heizt ein Großteil der Privathaushalte in Deutschland (71 Prozent) mit fossilen Energieträgern. Für einen grünen Energieminister muss das eine besonders schmerzhafte Bilanz sein. Hoffentlich trägt der Umstieg auf Erneuerbare langfristig. Und auch die Sparsamkeit beim Energieverbrauch, gerade der Industrie, darf den Winter 22/23 gerne überdauern.

Mike.Schier@ovb.net

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