Es geht vorwärts. 20 Kunstwerke – geschaffen im einst mächtigen Königreich Benin, dann als koloniale Raubkunst in ganz Europa verteilt – sind nach Hause zurückgekehrt. Es ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt für beide Seiten. Nigeria, das seit Jahrzehnten für die Rückgabe der Bronzen arbeitet, widerfährt ein spätes Stück Gerechtigkeit. Und Deutschland signalisiert weiter Bereitschaft, seine kurze, aber unrühmliche Kolonialgeschichte öffentlich – nicht nur akademisch – aufzuarbeiten.
Der jetzige Kompromiss ist ein Beispiel dafür, wie ein aufgeklärter Diskurs über das koloniale Erbe zu tragbaren Lösungen führen kann. Die insgesamt gut 1000 Bronzen haben Deutschland nie gehört. Jetzt sind die Besitzverhältnisse geklärt – zugleich soll ein Teil der Werke als Leihgabe hier bleiben. Kunst ist auch eine Form der Kommunikation zwischen den Kulturen. Den Dialog trotz all der vergangenen Ungerechtigkeit auch auf dieser Ebene beizubehalten, ist der einzig richtige Weg.
Klar ist aber auch: Wir stehen noch am Anfang. Ausgerechnet dort, wo es wirklich schmerzt, hakt es noch. Der Umgang mit den deutschen Kolonialverbrechen an den Herero und Nama etwa war und ist, gelinde gesagt, holprig. Das Wort Genozid wird in Berlin allenfalls gemurmelt, das „Versöhnungsabkommen“ mit Namibia, bei dem ausgerechnet Vertreter der betroffenen Volksgruppen außen vor blieben, ist umstritten. Mehr Ehrlichkeit und Mut in der Aufarbeitung sind auf mittlere Sicht unverzichtbar.
Marcus.Maeckler@ovb.net