Wer denkt, das Elend in Afghanistan könne größer nicht mehr werden, wird in diesen Tagen eines Schlimmeren belehrt. Die Reihen der Helfer im Land, ohnehin schon ausgedünnt, lichten sich nun dramatisch. Mit ihrer Entscheidung, Nichtregierungsorganisationen den Einsatz von Frauen zu verbieten, machen es die Taliban dem Ausland faktisch unmöglich, auch nur noch einen kleinen Teil jener Not zu lindern, die schon lange herrscht und von den Islamisten mit ihren primitiven Weltanschauungen weiter angefacht wurde.
Von den Beschwichtigungen der Taliban nach ihrer Machtübernahme 2021 ist nichts übrig geblieben. Ein auch nur annähernd berechenbarer Faktor waren sie nie, nun zeigt sich, dass die gemäßigteren Vertreter keine Chance haben gegen die Hardliner, die sich auch von weiter zunehmender Isolation und einer verheerenden humanitären Lage nicht beeindrucken lassen.
Die Folgen sind auch deshalb so fatal, weil sie jene am härtesten treffen, die ohnehin keinerlei Schutz genießen. Mit dem Arbeitsverbot wird den NGOs der Zugang zu Frauen und Mädchen massiv erschwert. Dennoch bleibt den Helfern gar nichts anderes übrig, als mit dem Abzug sämtlicher Mitarbeiter zu reagieren. Das hartleibige Gebaren der Taliban entzieht allen humanitären Maßnahmen die Grundlage. Offiziell mag die Unterstützung nur ausgesetzt sein. Es dürfte eine sehr lange Auszeit werden.
Marc.Beyer@ovb.net