Wir leben nun schon sieben Tage nach dem Kalender des neuen Jahres. Es ist ein Normaljahr mit 365 Tagen, das nächste Schaltjahr mit einem 29. Februar kommt erst 2024. Schalttage sind notwendig, weil der Lauf der Erde um die Sonne (das Sonnenjahr) nicht 365 Tage dauert, sondern genau fünf Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden länger. Der von Julius Cäsar eingeführte, vom Kaiser Augustus modifizierte sogenannte „Julianische Kalender“ folgte einer irreführenden Schaltregelung.
Bis zum Jahr 1582 hatte sich dadurch eine Verschiebung von zehn Tagen gegenüber den echten Punkten der Frühlings- und Winter-Tag- und-Nachtgleiche eingeschlichen. Zu Recht schuf daher Papst Gregor XIII. den Kalender, nach dem wir heute noch leben.
Jahrhunderte aber hat es gedauert, bis dieser Gregorianische Kalender überall in Europa eingeführt wurde. Der Papst habe Gott spielen wollen und den Menschen zehn Tage „gestohlen“, war ein beliebtes Argument gegen den neuen Kalender. Und selbst das damals in vieler Hinsicht modernste Land der Welt, England, mit seiner Rom-kritischen Grundhaltung, wechselte erst 1752 zum besseren Gregorianischen Kalender.
Der große Physiker Isaac Newton wurde dort nach dem alten Julianischen Kalender am 25.12.1642 als „Weihnachtskind“ geboren. Nach dem Gregorianischen Kalender aber war da schon der 4. Januar 1643. Er war also ein Kind des neuen Jahres vor genau 380 Jahren. England hat den päpstlichen Kalender erst 1752 eingeführt.
Der größte Physiker der Neuzeit, der mit den Gesetzen der Mechanik und Entdeckung der Massenanziehung die Umlaufbahnen der Planeten um die Sonne erklären konnte, verbrachte also sein ganzes Leben mit einem astronomisch falschen Kalender. Er hat das natürlich erkannt und seinerseits eine Kalenderreform erarbeitet, die aber nicht zur Durchführung kam. Dazu verstrickte sich der bibelgläubige Physiker in einen Streit um die richtige Datierung biblischer und historischer Ereignisse.
Antike Zivilisationen berechneten das Jahr vor allem nach dem Mond, vom Vollmond zum Neumond oder umgekehrt. Das wirkt nach bis heute im Kirchenkalender, wo zum Beispiel der Termin des Osterfestes durch den Frühlingsvollmond bestimmt wird. Aber die durchschnittliche Länge einer Mondphase beträgt 29 Tage, zwölf Stunden, 44 Minuten und 2,8 Sekunden. Das ist nur sehr schwierig und mit „Ausgleichstagen“ auf die zwölf Monate eines Jahres zu verteilen. Immer waren es die Kirchen und ihre Priester, die als Mittler der gottgemachten Zeit diese zu verkünden hatten. Die Zeit wurde ausgerufen von ihnen und daher kommt auch der Name „Kalender“ von lateinisch calare = ausrufen.
Dass die Zeit in Gottes Hand liegt, bleibt eine schöne Idee bis heute, wo wir mit Atomuhren übergenau alles vermessen können. Längst mussten wir dazu begreifen, dass Zeit und Raum relativ sind. Für Newton war das noch unvorstellbar. Aber der Neujahrswunsch des siebenjährigen Goethe an seine Großeltern 1757 gilt heute wie damals: „Gott, der die Zeit erneut, erneure Euer Glück!“ Das wünschen wir uns für dieses beginnende Jahr.
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