Auszüge aus einem Buch von Erzbischof Gänswein haben gestern in italienischen Zeitungen für Schlagzeilen gesorgt. Die römische Tageszeitung „Il Messaggero“ berichtete unter der Überschrift „Am Tag der Beerdigung ein Angriff von Georg gegen Bergoglio“, dass Gänswein sich in dem Buch nachträglich über seine Beurlaubung durch Papst Franziskus beklage.
Als der amtierende Papst ihn im Februar 2020 von seinem Posten als „Präfekt des Päpstlichen Hauses“ auf unbestimmte Zeit beurlaubte, sei er „schockiert und sprachlos“ gewesen, so Gänswein. Er äußert sich in dem Buch „Nient’altro che la verita“ (Nichts als die Wahrheit), das nächste Woche erscheinen soll. Der Papst beurlaubte Gänswein seinerzeit mit der Bitte, er solle sich von nun an ausschließlich um den emeritierten Papst kümmern, der bereits 92 Jahre alt war.
Benedikt XVI. habe damals die Entscheidung seines Nachfolgers mit den ironischen Worten kommentiert: „Ich denke, dass Papst Franziskus mir nicht mehr traut und dass er will, dass Sie mich bewachen.“ Er habe sich an seinen Nachfolger gewandt, um ihn umzustimmen, aber ohne Erfolg. Der italienische Kurien-Erzbischof Vincenzo Paglia kommentierte die Äußerungen kritisch: „Schweigen wäre besser.“ kna
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder standen am Donnerstag jeweils an der Spitze einer Delegation zur Verabschiedung Benedikts. Als sie sich am Morgen auf dem Flughafen Ciampino in Rom trafen, konnten sie sich auch gegenseitig gratulieren: Denn beide hatten Geburtstag. An diesem Tag jedoch spielte das nur eine Nebenrolle. cm
Ein prominenter Co-Pilot hat die bayerische Delegation von München nach Rom geflogen zur Beisetzung des früheren Papstes Benedikt XVI.: Max Emanuel Otts Vater Martin, mittlerweile Lufthansa-Pilot im Ruhestand, war bekannt geworden als „Papst-Pilot“. Zweimal brachte der bekennende Katholik Benedikt XVI. von Deutschland zurück in den Vatikan – erstmals vom Weltjugendtag 2005 in Köln und erneut nach der Bayernreise 2006. kna
Bayerns früherer Ministerpräsident Edmund Stoiber und der damalige Landtagspräsident Alois Glück waren nach dem von der CSU-Fraktion erzwungenen Rückzug von Stoiber 2007 nicht gerade einander zugetan. Beim Trauermahl in Rom für den ehemaligen Pontifex saßen sie einander gegenüber – und waren in ein intensives Gespräch vertieft. Es schien so, als hätten sich der 81-jährige Stoiber und der bald 83-jährige Glück viel zu sagen. Pontifex bedeutet Brückenbauer – offenbar zu Recht. cm