Dnipro: Zahl der Toten steigt auf 40

von Redaktion

Kreml weist Verantwortung für zivile Opfer zurück – Kampfpanzer: Polen macht Druck auf Berlin

Kiew/Dnipro – Nach dem verheerenden russischen Raketentreffer in der ukrainischen Großstadt Dnipro mit dutzenden Toten durchkämmen Rettungskräfte im Frost weiter die Trümmer eines Hochhauses. Die Zahl der gefundenen Toten stieg gestern auf 40, unter ihnen drei Kinder, wie ukrainische Behörden mitteilten. Noch immer würden dutzende Menschen vermisst. Ein Teil des neunstöckigen Hauses war am Samstag nach dem Einschlag einer Rakete eingestürzt (wir berichteten).

Der Militärgouverneur des Gebiets Dnipropetrowsk, Walentyn Resnitschenko, gab die Zahl der Verletzten mit 75 an, unter ihnen 14 Kinder. Demnach überlebten mehr als 100 Menschen den Einsturz des Hauses. Der Kreml wies jede Schuld an den vielen Toten zurück. „Russlands Streitkräfte greifen keine Wohngebäude oder Objekte der sozialen Infrastruktur an“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der russischen Nachrichtenagentur zufolge. Kiewer Vertreter hätten selbst gesagt, dass die Tragödie durch die ukrainische Luftabwehr verursacht worden sei, sagte Peskow.

Der ukrainische Präsidentenberater Olexij Arestowytsch hatte gesagt, womöglich sei die russische Rakete abgeschossen worden und auf das Haus gestürzt. Dies sei aber nur eine mögliche Erklärung, stellte er klar. Die ukrainische Luftwaffe erklärte, dass sie nicht in der Lage sei, den verwendeten Raketentyp abzufangen. Ungeachtet der Beteuerungen aus Moskau haben russische Geschosse in dem seit fast elf Monaten andauernden Angriffskrieg schon viele Zivilisten getötet.

Der polnische Ministerpräsident Morawiecki forderte in Berlin derweil deutsche Unterstützung für weitere Waffenlieferungen an die Ukraine. „Eine Niederlage der Ukraine könnte das Vorspiel für einen dritten Weltkrieg sein“, sagte er bei einer Veranstaltung der Unionsfraktion. Es gebe deswegen keinen Grund, Hilfe für Kiew zu blockieren. Vor der Reise hatte er angekündigt, Gespräche über die Lieferung von Kampfpanzern des Typs Leopard 2 führen zu wollen. Polen und mehrere andere EU-Länder sind bereit, der Ukraine mit den Panzern aus deutscher Produktion zu helfen. Allerdings sperrt sich Berlin bislang, selber Leopard 2 zu schicken oder anderen Ländern die Lieferung zu ermöglichen. Morawiecki sagte, er könne sich nicht vorstellen, dass die Zustimmung Berlins nicht schnell erteilt werde.

Der Kreml kritisierte unterdessen die Ankündigung Großbritanniens, der Ukraine 14 Kampfpanzer vom Typ Challenger 2 zu geben. „Wir nehmen das sehr negativ auf“, sagte Sprecher Peskow. Moskau behauptet immer wieder, dass westliche Waffenlieferungen das Leiden in der Ukraine nur in die Länge ziehen. Die Ukraine sieht dagegen in ausländischer Militärhilfe die einzige Chance, ihre Souveränität gegen die russischen Invasoren zu verteidigen.

Kremlchef Wladimir Putin hat unterdessen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan über den Krieg in der Ukraine gesprochen – und dabei Kiew für die jüngste Verschärfung der Kämpfe verantwortlich gemacht. „Wladimir Putin lenkte die Aufmerksamkeit auf die destruktive Linie des Kiewer Regimes, das mithilfe der westlichen Sponsoren, die den Umfang der gelieferten Waffen und Militärtechnik ausbauen, auf die Intensivierung der Kampfhandlungen setzt“, teilte der Kreml nach dem Telefonat mit.

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