München/Washington – Hat Russland die Wahl des US-Präsidenten 2016 beeinflusst? Dieser Vorwurf hat Ex-Präsident Donald Trump zeit seines Amtes nicht losgelassen. Doch tatsächlich war der Einfluss der russischen Demagogen – Trolle genannt – gering. Das haben Forscher der TU München (TUM), des Trinity College Dublin und der Universität Kopenhagen bei der Auswertung der Social-Media-Accounts von 1500 US-Bürgern herausgefunden.
Als Basis haben die Forscher ermittelt, wie viele Nutzer von den Tweets der Accounts erreicht wurden, die der Internet Research Agency zuzuordnen sind. Frühere Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Organisation eng mit der russischen Regierung verbunden sei.
Die Zielgruppe der Meinungsmacher ist erstaunlich klein: 70 Prozent der registrierten Tweets richteten sich an ein Prozent der Nutzer, und zwar jene, die dem republikanischen, also dem konservativen Lager zuzuordnen sind. Anhänger der Republikaner sind demnach neunmal so oft von Trollen erreicht worden wie Demokraten und Parteilose. Doch auch bei dieser kleinen Zielgruppe konnten die Forscher keine Änderung der politischen Haltung feststellen: Selbst eine weite Verbreitung müsse nicht bedeuten, dass solche Tweets die Einstellung oder das Wahlverhalten der Bürger wirksam verändern, erklärt Jan Zilinsky, Forscher am Lehrstuhl für Digital Governance der TUM.
Dennoch gelte: „Es wäre ein Fehler anzunehmen, dass andere Teile der russischen Kampagne keinen Einfluss auf das Wahlergebnis oder das Vertrauen in die Integrität der Wahl hatten“, so Gregory Eady von der Uni Kopenhagen. MATTHIAS SCHNEIDER