VON MIKE SCHIER
Ihr Abgang passte ins Bild dieser durch und durch unglücklichen Verteidigungsministerin, der nicht zuletzt ihre verheerende Kommunikation zum Verhängnis wurde. Erst durchgestochene Informationen über den Rücktritt, dann eine tagelange Hängepartie und schließlich ein paar dürre Zeilen von Christine Lambrecht, die keine Spur von Selbstkritik enthielten, sondern die Schuld bei den Medien abluden. Bis zuletzt hatte Lambrecht die Mechanismen des Politbetriebs offenbar nicht verstanden.
Leider passte diese Ministerin damit ins Bild der Regierung insgesamt. Seit Wochen musste sich Kanzler Olaf Scholz auf Lambrechts Abgang einstellen, spätestens seit Freitagabend dürften in der SPD die Drähte glühen. Und was geschah? Parteichef Lars Klingbeil erklärte noch am Sonntagabend, die Ministerin arbeite „mit Hochdruck“ an ihren Aufgaben. Und Olaf Scholz reiste am Montag seelenruhig nach Ulm, wo er die Brauerei „Gold Ochsen“ besuchte. Der Kanzler produzierte also Bilder mit Bierglas, während sich seine Vize-Regierungssprecherin in Berlin unbeholfen durch eine Pressekonferenz kämpfte. Über schlechte Presse sollte sich da niemand wundern.
Einmal mehr wirkt Scholz nicht wie ein Gestalter, sondern wie ein Getriebener. Personell wie inhaltlich. Ausgerechnet in der Verteidigungspolitik, wo ihm mit seiner „Zeitenwende“-Rede der bislang kraftvollste und überraschendste Aufschlag gelang, ist er zum Zauderer mutiert. Doch klar ist: Lambrechts Nachfolger/in wird Unterstützung brauchen. Denn viele der Probleme scheinen auch im Ministerium selbst zu liegen. Lambrecht ist ja keineswegs die erste Amtsinhaberin, die am Umfeld und seinen Durchstechereien gescheitert ist.
Mike.Schier@ovb.net