Angriff ist die beste Verteidigung

von Redaktion

Die „Letzte Generation“ wehrt sich gegen Kritik an der Asien-Reise zweier Aktivisten und wittert Doppelmoral

Berlin – In der Debatte um zwei Klimaschützer, die wegen einer Fernreise mit dem Flugzeug nach Asien in der Kritik stehen, hat die Klimaschutzbewegung „Letzte Generation“ sich wortreich zur Wehr gesetzt. Man könne nachvollziehen, dass es negative Gefühle auslöse, wenn Protestierende der Letzten Generation in ein Flugzeug stiegen, teilte die Organisation gestern mit. Das klang im ersten Moment nach Selbstkritik, doch der Eindruck täuschte. Was folgte, war weniger der Versuch, das Geschehene zu erklären. Vielmehr schalteten die heftig attackierten Aktivisten direkt in den Angriffsmodus.

In dem Statement, das in den sozialen Medien verbreitet wurde, räumte die Organisation ein, dass es auch intern Stirnrunzeln über den Fall des jungen Paares gegeben habe, das einen Gerichtstermin wegen einer Straßenblockade versäumt habe (eine Person war demnach angeklagt, die andere lediglich als Zeugin geladen): „Vielen von uns geht es so.“ Doch allzu groß scheint die Irritation dann auch nicht zu sein. Zwei Sätze später ist nur noch von einem „Haar in der Suppe“ die Rede. Das klingt, als handle es sich um eine Petitesse, die von Kritikern als günstige Gelegenheit wahrgenommen worden sei, einen Skandal zu inszenieren.

Den Vorwurf, moralisch flexibel zu sein, wenn es darum gehe, klimaschädliche Flugreisen zum privaten Vergnügen zu nutzen, kehrt die Organisation kurzerhand um: „Seien wir mal ehrlich: Ist es keine Doppelmoral, ,Klimakanzler’ zu sein und Lützerath abzubaggern?“ Diese sehr vereinfachte Darstellung soll offensichtlich das eigene Verhalten relativieren. Sich politisch gegen den Klimakollaps zu engagieren, gehe zwar oft damit einher, „das eigene Leben umzustellen“, heißt es. Es sei „jedoch keine Voraussetzung“.

Dass diese Botschaft zur Beruhigung der aufgeheizten Debatte beiträgt, ist eher nicht zu erwarten. Darauf deuten auch die mehrheitlich kritischen Kommentare in den sozialen Netzwerken hin. Die Aktivisten der „Letzten Generation“ fühlen sich falsch dargestellt und verweisen darauf, dass das Paar keineswegs über Thailand nach Bali geflogen sei, wie in vielen Medien dargestellt. Ziel sei vielmehr Thailand selbst gewesen, um dort „viele Monate zu bleiben“.

Der Hinweis soll vermutlich suggerieren, dass es sich nicht um einen emissionsreichen Flug zum kurzfristigen Vergnügen handle. Auch sei die Abwesenheit des Paares vor dem Prozess mit dem Gericht abgesprochen worden.

Das scheint aber nur die halbe Wahrheit zu sein. Das zuständige Amtsgericht bestätigte zwar, dass die Betreffenden vor dem Verhandlungstermin mitgeteilt hätten, nicht erscheinen zu können. Der Richter habe sie aber dennoch nicht von ihrer Verpflichtung entbunden. Während auf die Aussage der Zeugin verzichtet werden könne, erhalte der Angeklagte einen Strafbefehl.

In einem Beitrag der „taz“ meldeten sich die Urlauber gestern selbst zu Wort. Sie schrieben „dass reine Individualkritik nicht zu den großen Veränderungen beitragen wird“. Dennoch hätten sie Zug, Bus und Flugzeug kombinieren müssen. Der Rückflug werde „der letzte unseres Lebens“ sein.  mb/dpa

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