Aktivisten und das Klima

Zu komplex für pauschale Lösungen

von Redaktion

VON MARC BEYER

Selbst versierte PR-Strategen hätten sich schwergetan, das Verhalten der Klimaaktivisten schönzureden, die an Straßenblockaden beteiligt waren, den Prozess aber für einen Asien-Trip sausen ließen. Doch so naiv hätte die Ausrede, die beiden seien als Privatperson geflogen, auch nicht ausfallen müssen. Den Spott haben sie sich verdient.

Gleichzeitig zeigt der Fall, wie schwer es ist, konsequent klimabewusst zu leben und Verzicht zu üben. Selbst glühende Idealisten werden ihren Maßstäben nicht immer gerecht. Auch Naturschützer verbrauchen Strom, fahren Auto, kaufen Handys, duschen mal ein bisschen länger warm. Oder kühl, wenn es dafür in den Tropen ist.

Das Klimathema ist zu komplex, um es auf pauschale Lösungen (Tempo 120, Neun-Euro-Ticket) herunterzubrechen. Die Jahrhundertaufgabe Klimaschutz braucht stärkere Anstrengungen, auch und gerade technologische. Dem Ozonloch ist auf diese Weise erfolgreich begegnet worden. Und wenn es einen mal in die Ferne zieht, wären umweltfreundlichere Treibstoffe schon ein Fortschritt.

Hinderlich ist es hingegen, solche Debatten mit dem absoluten Anspruch moralischer Überlegenheit zu führen. Würden die Aktivisten ein bisschen von ihrer rigorosen Haltung abrücken, wäre vielleicht noch nicht dem globalen Klima geholfen. Ganz sicher aber dem gesellschaftlichen und damit auch der Akzeptanz des Umweltschutzes.

Marc.Beyer@ovb.net

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