Verlängerung der U6

Verspätung in ganz großem Stil

von Redaktion

VON MIKE SCHIER

Der Ausbau der Münchner U-Bahn gleicht einer Schnecke. Das bislang letzte Stück (nach Moosach) wurde 2010 eingeweiht. Es dauerte zwölf Jahre, bis wieder ein Bagger in Bewegung gesetzt wurde – im gleichen Zeitraum wuchs die Landeshauptstadt rasant, im Westen (Freiham) plante man quasi einen ganzen Stadtteil, leider ohne U-Bahn-Anschluss. Ein Erbe der rot-grünen Ära von Christian Ude in München und eines Freistaats, der sich nicht ausreichend ums städtische Umland kümmerte.

Nun passiert endlich was, und die Politiker drängeln aufs Bild beim Spatenstich: Irgendwann, angeblich ab 2027, sollen Studenten mit der U6 nach Martinsried fahren können, vom Ministerpräsidenten als „Kaderschmiede künftiger Nobelpreisträger“ gefeiert. Das Problem: Die Verkehrsplanung hält mit so schwungvoller Rhetorik nicht mit – die Planungen laufen seit dem letzten Jahrtausend. Studenten von damals nähern sich der Rente.

Kaum anders verhält es sich beim zweiten aktuellen Ausbau, der U5 nach Pasing. Wie viele Stammstrecken-Sperrungen hätte die Linie schon kompensiert, wäre nach der Planfeststellung vor 18 Jahren konsequent gehandelt worden? Es ist ein Jammer! Aber ÖPNV-Fahrgäste sind Verspätungen ja gewohnt. In jeder Hinsicht.

Mike.Schier@ovb.net

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