VON GEORG ANASTASIADIS
Seit Montag kleben sie wieder unverdrossen an Deutschlands Straßen, die Aktivisten der „Letzten Generation“. Ihr Kampf gegen den Weltuntergang geht weiter, unter erschwerten Bedingungen: Immer weniger Bürger sehen in den meist jungen Leuten die ein bisschen versponnenen, aber harmlosen Weltverbesserer, als die sie sich geben. Das hat gute Gründe und liegt mitnichten nur daran, dass auch Aktivisten Fernreisen lieben und im Zweifel über eine robuste Doppelmoral verfügen, die es ihnen erlaubt, akkurat zwischen privaten klimaschädlichen Reisen und ihrem Engagement als Aktivisten zu unterscheiden.
Der genaue Blick auf die „Letzte Generation“ und ihre Führungskader hat zuletzt die Frage aufgeworfen, wie verfassungstreu die Bewegung selbst ist, die sich doch unablässig auf den Verfassungsgerichtsauftrag zu mehr Klimaschutz beruft. Da plaudert eine hauptberufliche Führungskraft der Aktivisten im Fernsehen munter über einen zu installierenden „Gesellschaftsrat“, der an den demokratischen Mechanismen vorbei für alle verbindliche Klimaentscheidungen treffen soll. Das klingt mehr nach ökosozialistischer Diktatur als nach harmlosen Forderungen wie Tempolimit und 9-Euro-Ticket. Und dann wird noch bekannt, dass die führenden Köpfe der Bewegung eine Art Psychogramm ihrer Mitglieder angelegt haben, in dem festgehalten wird, wer im Zweifel stabil genug ist, um für das hehre Ziel auch in den Knast zu gehen.
Die Weltuntergangssekte ist dabei, ihre Unschuld, so sie diese je hatte, zu verlieren: Nicht nur ihre Methode ist falsch, sondern auch das Ziel eines gesellschaftlichen Umbaus, der die Macht in die Hände einer kleinen, demokratisch nicht legitimierten Gruppe legen will. Je eher die Vernünftigen unter ihren Mitgliedern das selbst einsehen, desto besser ist es für alle. Ansonsten sind die Richter gefragt, ihren Spielraum zur richterlichen Beurteilung aktivistischer Straftaten neu zu vermessen.
Georg.Anastasiadis@ovb.net