Peking will den Ballon zurück

von Redaktion

Botschaft entschuldigt sich für zweites Objekt über Costa Rica – FDP-Außenpolitiker Lambsdorff fordert China-Stresstest

Peking/Washington – Nach dem Abschuss eines mutmaßlichen chinesischen Spionageballons durch die USA fliegt ein weiterer Ballon über Mittelamerika. Nach Kolumbien und Venezuela berichtete auch Costa Rica, dass ein chinesischer Ballon gesichtet worden sei. Das Außenministerium teilte mit, die chinesische Botschaft habe den Vorfall bedauert.

Der Ballon diene ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken, habe die Botschaft argumentiert. Er sei wegen der Wetterverhältnisse und aufgrund mangelnder Steuerungsfähigkeit von seiner Route abgekommen. Nach dem Zwischenfall mit dem ersten Ballon über den USA hatte Peking schon zugegeben, dass ein zweiter „ziviler“ Ballon auf Abwege geraten sei.

China verstärkte seine Kritik an den USA für den Abschuss des Ballons. „Er stellte keine Gefahr für irgendeine Person oder die nationale Sicherheit der USA dar“, sagte Außenamtssprecherin Mao Ning. Die USA sollten mit solchen Vorfällen „auf ruhige und professionelle Art“ umgehen, ohne Gewalt einzusetzen. Auf Fragen, ob China eine Rückgabe des Ballons fordere, sagte die Sprecherin nur: „Das Luftschiff gehört den USA nicht.“

Die USA bergen gerade die Trümmer des Ballons aus dem Meer, um Aufschluss über die Mission zu gewinnen. Eine Rückgabe an China ist wohl nicht beabsichtigt. Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats der USA, John Kirby, sagte: „Ich weiß nichts von einer solchen Absicht oder von Plänen, es zurückzugeben.“

Der Ballon sei rund 61 Meter hoch gewesen und habe vermutlich so viel wie ein kleines Linienflugzeug gewogen, sagte der Befehlshaber des Nördlichen US-Kommandos, Glen Van Herck. Das Trümmerfeld habe eine ungefähre Größe von 1500 mal 1500 Metern und befinde sich in rund 15 Metern Tiefe.

Die USA wollen eine Verschlechterung der ohnehin angeschlagenen Beziehungen zu China vermeiden. „Es gibt keinen Grund dafür, dass sich die Spannungen in unseren bilateralen Beziehungen zu einer Art Konflikt auswachsen“, sagte Kirby. Die USA hätten ihren Luftraum und ihr Land verteidigt – im Einklang mit internationalem Recht.

Der frühere Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, riet zu Besonnenheit. Die USA und China nutzten – wie andere Staaten – seit Jahrzehnten Satellitenaufklärung, elektronische Aufklärung und andere Mittel zur Informationsbeschaffung, sagte er dem Sender phoenix. Für bedenklich halte er, dass es offenkundig keine Kommunikationskanäle für Krisen gebe.

FDP-Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff mahnte, Deutschland müsse sich besser gegen chinesische Spionageversuche und Abhängigkeiten von Peking wappnen. Der Funke Mediengruppe sagte er: „Wir müssen davon ausgehen, dass China auch in Deutschland versucht, unsere sensiblen Daten auszukundschaften.“ Staatliche Einrichtungen müssten widerstandsfähiger gegen solche Versuche werden, als dies bislang der Fall sei. Darüber hinaus brauche man „einen umfassenden China-Stresstest, mit dem ermittelt wird, wo Abhängigkeiten von China in unseren kritischen Infrastrukturen bestehen“.

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