Seit Wochen werden Mädchenschulen im Iran von hinterhältigen Angriffen heimgesucht: Giftgasanschläge während des Unterrichts wurden schon an 100 iranischen Schulen verübt. Die Adressaten dieser gezielten Verbrechen sind – wie so oft im so gespaltenen Iran – Frauen. Kinder, die den größten Schutz in einer Gesellschaft bedürfen, werden damit stellvertretend für ein ganzes Geschlecht bestraft. Mit diesen zutiefst frauenverachtenden Einschüchterungsversuchen und Machtdemonstrationen ist nicht mal mehr die Schule ein sicherer Ort für die ohnehin benachteiligten Mädchen.
Die Regierung macht extremistische religiöse Gruppen dafür verantwortlich; bemüht sich jüngst um Schadensbegrenzung. Doch nicht erst seit gestern häufen sich diese Vorfälle – schon als die Frauenproteste im November 2022 tobten, wurden die ersten Vergiftungen gemeldet. Dass nach drei Monaten noch immer kein nennenswerter Erfolg bei der Aufklärung vorzuweisen ist, grenzt an sexistischer Arbeitsverweigerung. Zu Recht protestieren Eltern erneut gegen Irans Führung. Statt wirklich gegen diese Gewalt vorzugehen, lässt der iranische Machtapparat lieber einen Journalisten verhaften, der darüber berichtete. Die hochnervöse Regierung verspielt damit noch den letzten Funken Vertrauen ihrer Bevölkerung.
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