Plötzlich siezt man sich wieder in der Ampelkoalition und schreibt sich wenig charmante offene Briefe. Die Männerfreunde Robert Habeck und Christian Lindner stecken in der Beziehungskrise. Die ließ sich auch auf der Regierungsklausur in Meseberg nicht wegtherapieren. Wie auch: Lindners liberales Freiheitsideal und Habecks grüner Volkserziehungsanspruch trennen Welten. Seit beiden auch noch die Wähler davonlaufen, geben sich die Minister auch keine Mühe mehr, das zu kaschieren.
Lange sah es so aus, als würde nur die FDP den Preis für die ungeliebte „Aufbruchskoalition“ zu zahlen haben. Doch nach den herben Klatschen in Berlin und bei den OB-Wahlen in Frankfurt und Mainz werden die Gesichter auch bei den Grünen immer länger. Schließlich wähnte sich die Ökopartei schon auf dem Weg zur dominanten Kraft in den Großstädten. Jetzt wächst in beiden Parteien das Bedürfnis nach Profilschärfung.
Klimaminister Habeck hatte seine großen Auftritte bereits: als unermüdlicher Reisender in Sachen Gas, als der Mann, der das Atom-Aus durchsetzte. Doch schon sein jüngster Heizungsverbotsplan geriet dermaßen zum Rohrkrepierer, dass der Minister seither mehr schlecht als recht den Schaden zu begrenzen versucht. Jetzt ist Lindner dran. Viele Milliarden mehr fordern die Grünen, etwa für Kindergrundsicherung und Klimapolitik. Scheitern dürfte das zum großen Teil am Veto des Finanzministers, der höhere Schulden ebenso ablehnt wie neue Steuern und zu Recht mahnt, dass sich die Kriegsrealität auch durch neue Prioritäten im Haushalt abbilden müsse. Schlichten muss, Schreck lass nach, ausgerechnet Olaf, das Kommunikationstalent. Der Ampel schwant Böses.
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