Oscar-Verleihung ist ja immer ein bisschen wie Fußball-WM. Auch wenn man sonst gegen „die Bayern“ ist – sobald FCB-Stars wie Thomas Müller für Tore sorgen, liegt man sich dann doch freudig in den Armen. Insofern ist man natürlich stolz auf „Im Westen nichts Neues“. Selbst wenn man eigentlich andere Favoriten hatte (bitte anschauen: „Triangle of Sadness“, „Close“, „Banshees of Inisherin“). Ein Beitrag, der das Image des langweiligen, oberlehrerhaften deutschen Films international aufpoliert – klar ist man da als Cineast hierzulande entzückt.
Nun ist dieser Antikriegsfilm freilich alles andere als spaßig; aber technisch so gut gemacht, dass man jüngst öfter hörte und las: „So was kommt aus Deutschland? Irre!“ Nein, eigentlich nicht. Wir haben jede Menge großartiger junger und alter Filmemacher und Filmemacherinnen (so viel Zeit muss sein). Caroline Link, Doris Dörrie oder Maren Ade; Christian Petzold, Oskar Roehler oder Alex Schaad. Viele Regisseure, Kameraleute, Drehbuchautoren haben einst an der Hochschule für Fernsehen und Film in München studiert. Deutsche Produktionen wie „Babylon Berlin“ werden weltweit verkauft.
Der fantastische Erfolg von „Im Westen nichts Neues“ bildet also ab, was an großem Talent im Land ist. Und zeigt, dass sich die Förderung von Film lohnt. Jeder Drehtag bringt kreative Leute und Geld in die Region. Und die hier gefilmten Bilder machen nebenbei Werbung für die Umgebung. Kann man doch mal stolz drauf sein.
Katja.Kraft@ovb.net