Bergen – Ukrainische Soldaten sind nach einem mehrwöchigen Intensivtraining in Deutschland nun bereit für den Einsatz mit dem Kampfpanzer Leopard 2. Zum Abschluss ihrer Ausbildung übten die Besatzungen gestern im scharfen Schuss auf dem niedersächsischen Truppenübungsplatz Bergen Angriff und Rückzug von einem Feind. Ausbildungsziel sei es, „dass diese Kräfte dazu befähigt sind, völlig selbstständig mit diesem sehr modernen, eigentlich dem modernsten Kampfpanzer, den wir zu bieten haben, kämpfen zu können“, sagte Brigadegeneral Björn Schulz, Kommandeur der Panzertruppenschule der Bundeswehr, auf dem Militärgelände in Niedersachsen.
In Gruppen von vier Panzern – jeweils einem Zug – übten die Soldaten den Feuerkampf gegen einen Gegner. Tiefe Detonationen brachen über dem Militärgelände, als die Panzer ihre Leuchtspurmunition auf bis zu zwei Kilometer entfernte Ziele verschossen. Die Funkkommunikation zwischen den Panzerbesatzungen wurde für Beobachter auf Lautsprechern übertragen. „Bravo 2 hat Panzer bekämpft“, wurde gemeldet. „Bravo 3 hat feindliche Infanterie bekämpft.“ Immerhin: Zwischen 82 und 85 Prozent der Zieldarstellungen wurden bei den Übungen zerstört. Die deutschen Ausbilder bewerten das als sehr gut.
Deutschland wird der Ukraine 18 moderne Kampfpanzer Leopard 2A6 liefern, Portugal weitere 3 der Waffensysteme. Dies ist Teil der Militärhilfe, die der Ukraine bei der Verteidigung gegen Russland helfen soll. Experten gehen fest davon aus, dass der Leopard 2 im Gefecht gegen russische Panzertruppen deutlich überlegen ist. Die ukrainischen Soldaten sollen noch im März mit den Panzern in ihre Heimat.
Die Bundesregierung hatte am 25. Januar das Ziel ausgegeben, „rasch zwei Panzer-Bataillone mit Leopard-2-Panzern für die Ukraine zusammenzustellen“. Diese sind in der Ukraine üblicherweise mit jeweils 31 Panzern ausgestattet. Beteiligt an der Initiative sind vor allem Polen sowie Norwegen, Kanada und Spanien. Polen hat im Februar die ersten vier westlichen Kampfpanzer des älteren Typs Leopard 2A4 geliefert.
An den deutschen Ausbildern gehe es menschlich nicht vorbei zu wissen, was die Panzer-Schüler demnächst vor sich haben, „also einen Krieg, der brutaler kaum sein kann“, sagte der General. Und: „Dass es dort natürlich Gefallene und Verwundete geben wird, das tut uns auch weh.“
Gespräche mit den Ukrainern vor Ort unterlagen besonderen Sicherheitsvorkehrungen, sie sollten nicht identifizierbar sein. Ein nun als Richtschütze ausgebildeter Mann äußerte sich optimistisch. „Dieser Kampfpanzer ist eines der präzisesten Waffensysteme, die es gibt. Die Feuerkraft und andere Vorzüge werden es uns ermöglichen, dass wir uns vor keinen unerwarteten Zusammentreffen mit dem Feind fürchten müssen. Dann werden wir schnell ausweichen können und ihn mit der Feuerkraft zerschlagen“, sagte er. Von Bekannten in der ukrainischen Aufklärung wisse er, dass die Russen sehr nervös seien wegen der modernen Kampfpanzer. C. HOFFMANN