US-Banken in Not: Steigt jetzt die Börse?

Das Ende der Zinswende

von Redaktion

VON GEORG ANASTASIADIS

Anleger sind scheue Wesen, die bei vermuteter Gefahr schnell in Panik geraten. Entsprechend heftig waren die Turbulenzen nach dem Kollaps der amerikanischen Silicon Valley Bank. Weltweit fielen die Kurse von Geldhäusern in den Keller und rissen andere Marktsegmente mit nach unten. Ob das die Vorboten einer neuen Weltfinanzkrise waren oder schlicht eine Überreaktion, hängt davon ab, ob es der US-Regierung und der Notenbank gelingt, das Vertrauen von Anlegern und Bankkunden rasch wiederherzustellen und Kunden davon abzuhalten, ihre Konten zu plündern. Das Versprechen von Präsident Biden, alle Einlagen seien sicher, hat die Lage erkennbar beruhigt.

Richtig ist: Die zur Bekämpfung der Inflation von der US-Notenbank Fed vorgenommene heftige Zinswende hat vielen Banken, die sich zuvor mit tief verzinsten und damit unattraktiv gewordenen Wertpapieren vollgesogen hatten, teils schlimme Verluste beschert. Richtig ist aber auch, dass nach der Weltfinanzkrise von 2008/2009 Geldhäuser überall auf der Welt strenger reguliert werden und auch mehr Eigenkapital vorhalten müssen.

Das spricht gegen eine neue Finanzkrise. Im günstigen Szenario könnte die Sache auch ganz anders ausgehen – wenn die US-Notenbank ihre beispiellose Serie von Zinsanhebungen von 0,25 auf zuletzt 4,75 Prozent binnen eines Jahres jetzt abrupt beendet, um den wankenden Geldhäusern zu helfen. Erste Investmentbanken wie die japanische Nomura rechnen damit, dass die Fed bereits am nächsten Mittwoch die Märkte mit einem Zinsschritt nach unten überrascht. Das wäre für Anleger rund um den Globus nach langer Baisse das Signal zum Einstieg in den Aktienmarkt.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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