VON GEORG ANASTASIADIS
Der Untergang der Credit Suisse ist für die globalen Finanzmärkte eine Herausforderung, aber keine Katastrophe. Das ist es nur für die Mitarbeiter. Und die Aktionäre, aber die sind an ihrem Unglück selber schuld. Denn das Drehbuch für den Kollaps hat das Management, unbehelligt vom Aufsichtsrat, selbst geschrieben: Seit 2013 hat die Bank drei Milliarden Franken Verlust erwirtschaftet, aber 30 Milliarden an Boni ausgeschüttet. Diese Gier ist unausrottbar – selbst jetzt noch kämpfen die Manager verbissen um ihre letzten Boni.
Schlechte Unternehmensführung mag in guten Zeiten zum Überleben reichen – aber nicht, wenn das Umfeld so widrig wird wie jetzt gerade. Die seit einem knappen Jahr rasant gestiegenen Leitzinsen setzen die Branche unter Stress. Das merken auch die Amerikaner. Mit der Schließung von SVB und Signature Bank, die als mittelgroße Geldhäuser weniger reguliert waren, erlebten die USA zuletzt die zweit- und drittgrößten Bankenzusammenbrüche nach dem Lehman-Fiasko. 300 Milliarden Dollar musste die US-Notenbank Fed letzte Woche zur Rettung der Branche in den Finanzsektor pumpen – das zeigt eindrucksvoll die Dramatik. Ein großer Teil der Liquidität, die die Fed der Wirtschaft zur Zähmung der Inflation zuletzt entzogen hatte, floss damit zurück in den Markt.
Das heißt: Die Zinswende ist zu Ende. Allenfalls einen letzten kleinen Zinsschritt nach oben kann sich die Fed morgen noch leisten, dann ist Schluss. Bankenkrise und drohende Rezession wirken preisdämpfend und sollten den Notenbanken bei der Inflationsbekämpfung einen Teil ihrer Arbeit abnehmen. Für Häuslebauer und Besitzer von Aktien, besonders aus dem lange gebeutelten Technologiesektor, ist das eine gute Nachricht. Für Festgeldsparer weniger.
Georg.Anastasiadis@ovb.net