„Objektiv und unvoreingenommen“ sei die Haltung Chinas gegenüber der Ukraine – doch allein die Tatsache, dass Xi Jinping den nun offiziell als Kriegsverbrecher angeklagten Wladimir Putin drei Tage lang mit einem Staatsbesuch ehrt, Wolodymyr Selenskyj aber vielleicht irgendwann mal kurz anrufen will, lässt an dieser vorgeblichen Neutralität zweifeln.
Während sich die westliche Welt nach dem Überfall auf die Ukraine von Russland abwandte, sind die chinesisch-russischen Beziehungen dadurch sogar stärker geworden. Für Chinas Wirtschaft sind die Sanktionen des Westens gegen Russland ein Geschenk, schaffen sie doch die Basis für billige Energie aus Russland. Zudem ersetzen nun chinesische Produkte deutsche oder US-Exporte nach Russland. Aber Fakt ist auch, dass China mit den USA und Europa Geschäfte in weit größerem Umfang verbinden – deshalb scheute Xi anfangs davor zurück, sich allzu eindeutig an die Seite Putins zu stellen.
Dass Xi mit diesem Besuch und möglicherweise sogar mit offiziellen Waffenlieferungen nun immer offener Russlands Ukraine-Krieg unterstützt, hängt vor allem mit den sich dramatisch verschlechternden Beziehungen zu Washington zusammen. Der Abschuss des Überwachungs-Ballons, immer schärfere Wortwechsel in der Taiwan-Frage: Xi rächt sich an Biden für diese Eskalation, indem er Putin herzt. Die Ukraine ist da nur ein Spielball in dieser Rivalität der beiden Supermächte.
Klaus.Rimpel@ovb.net