Trump und die Konkurrenz

Unterhalb des lauten Getöses

von Redaktion

VON MARCUS MÄCKLER

Dieser Tage kehrt der Wahnsinn in die US-Politik zurück, ein bisschen zumindest. Die mögliche Verhaftung eines Ex-Präsidenten, der einem Pornostar Schweigegeld zahlte, ist schon irrwitzig genug. Die Begleitumstände – Trumps Aufruf zu Protesten, Barrikaden vor dem New Yorker Gericht, republikanische Angriffe auf den Staatsanwalt – zeigen, wie tief der Trumpsche Gift-Stachel noch sitzt.

Interessant ist, wie sich etwas unterhalb des ganzen Getöses die interne Konkurrenz positioniert, vor allem Floridas Gouverneur Ron DeSantis und Ex-Vizepräsident Mike Pence. Bei beiden vermischen sich scharfe Angriffe auf die Justiz mit einer zunehmend klaren Absetzung von Trump. Die Ankündigung einer Präsidentschaftskandidatur steht zwar jeweils noch aus; doch der Versuch, sich als anständige, auch klügere Variante des Skandal-Präsidenten zu etablieren, ist gut erkennbar. Dass beide die Erzählung einer politisch agierenden Justiz mittragen, ist zweifelsohne verwerflich, aber offenbar unabdingbar, um im republikanischen Kosmos als Trump-Alternative bestehen zu können.

Ob mit einem laut Umfragen durchaus chancenreichen DeSantis tatsächlich alles besser wäre als mit Trump, darf man indes bezweifeln. In Florida polarisiert er mit harten Gesetzen, etwa zur Sexualaufklärung; außenpolitisch lässt er immer klarer Zweifel an der US-Unterstützung für die Ukraine erkennen. Inhaltlich ist das nicht weit weg von jenem, der bald im Gericht sitzen könnte.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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