Am Ende solidarisierte sich gestern sogar Petrus mit den Streikenden von Verdi und EVG: Wer im Großraum München vom ÖPNV aufs Fahrrad umstieg, wurde ordentlich nass. Die Pendler fluchten, die Gewerkschafter feierten. Lieber „ein starkes Signal als wochenlange Arbeitskämpfe“, versprach Verdi-Chef Frank Werneke.
Man wird ihn beim Wort nehmen. Denn es ist schon auffällig, wie das allgemeine Verständnis gerade für die Anliegen von Geringverdienern langsam verstummt – sich aber viele kritische Stimmen melden. Es geht um die Frage der Verhältnismäßigkeit: Die vermutlich entscheidende Tarifrunde hatte für Verdi noch gar nicht begonnen, da war der Flughafen München schon mehrere Tage lahmgelegt worden. Die EVG, die gestern den Bahnverkehr bundesweit zum Erliegen brachte, verhandelt gar erst Ende April. Wenn das ein „Warnstreik“ sein soll, fragt man sich, wie erst der echte Arbeitskampf aussieht.
Vielleicht ist mancher Gewerkschafter aktuell versucht, sich die Nachbarn in Frankreich zum Vorbild zu nehmen, wo der Protest gegen die Rentenreform noch ganz andere Bilder produziert. Ob das aber eine Mehrheit in Deutschland für erstrebenswert hält, darf man bezweifeln. Hierzulande geht es auch nicht um große politische Fragen, sondern ganz schlicht eine Tarifauseinandersetzung. Die Gewerkschaften aber haben mit ihrem knallharten Vorgehen nun in den eigenen Reihen massive Erwartungen geweckt. Das Risiko wächst, dass die Abschlüsse ihre Mitglieder am Ende eher enttäuschen.
Mike.Schier@ovb.net