Als 2020 die Pandemie ausbrach und sich auf chinesischen Rollfeldern Staaten gegenseitig die Masken vor der Nase wegkauften, war sich Deutschland weitgehend einig, dass es künftig einen Vorrat an Mundschutz und Medikamenten braucht. Nun zeigt sich: Beim Aufbau dieser Nationalen Reserve wird ziemlich geschludert.
Es ist natürlich irgendwie nachvollziehbar. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) fehlt das Geld gerade an allen Ecken und Enden. In den Finanzen der Krankenkassen klaffen breite Lücken, die Pflegeversicherung kann sich schwer über Wasser halten, und die angedachte Krankenhausreform gibt es natürlich nicht zum Nulltarif. Klar, dass die erste Priorität des Ministers nicht darin liegt, hunderte Millionen von Euro in Masken und Medikamente zu stecken, die im wahrscheinlichsten Fall in ein paar Jahren ungenutzt ablaufen, und – wie bereits mit zig Millionen in der Pandemie teuer gekauften Masken geschehen – vernichtet und ersetzt werden müssen. Auch dass Finanzminister Christian Lindner (FDP), den gerade sämtliche Ressorts belagern, dafür kein Extra-Geld freigeben will, kann man verstehen. Und trotzdem ist es in dieser Weise fahrlässig.
Vielleicht muss es anders laufen. Der Grünen-Vorschlag, ein rollierendes System einzurichten, in dem der Großhandel Vorräte anlegt und dafür sorgt, dass sie vor einem drohenden Ablauf verbraucht werden, klingt nach einer klugen Idee. Doch wer, wie die Ampel gerade, auf eine Reserve setzt, die es de facto nur auf dem Papier gibt, steht im Ernstfall eben wieder nackt da.
Sebastian.Horsch@ovb.net