Die US-Republikaner 2024

Vor der größten Zerreißprobe

von Redaktion

VON FRIEDEMANN DIEDERICHS

Die formelle Anklageverkündung gegen Donald Trump kommt mit einem enormen, von Amerikas Konservativen unerwünschten Seiteneffekt. Das Verfahren stellt die US-Republikaner vor eine der größten Zerreißproben in der Parteigeschichte. Die Mitglieder müssen sich entscheiden: Mit Blick auf die Wahlen 2024 hinter dem ersten Ex-Präsidenten des Landes stehen, der sich einem Gerichtsverfahren für mögliches kriminelles Vergehen stellen muss? Oder nach einem neuen, sauberen Gesicht suchen, das gleichzeitig auch Chancen hat, das Duell gegen einen Demokraten – wohl Joe Biden – zu gewinnen?

Umfragen zufolge stehen weiter 40 Prozent der konservativen Sympathisanten hinter Trump. Doch sein früherer Vize Mike Pence, mit dem sich Trump überworfen hat, forderte jetzt bereits zum Umdenken auf. Er könne sich bessere Kandidaten als seinen früheren Chef vorstellen, so Pence. Ob er damit auch sich selbst meint, ist noch unklar. Als populistischer Hit könnte sich jedenfalls Floridas Gouverneur Ron DeSantis entpuppen, der im rechten Lager Sympathien durch seinen Kampf gegen illegale Migranten, gegen Operationen an transsexuell agierenden Kindern und gegen „Wokeness“ gewonnen hat. Doch reicht das bei den Vorwahlen, um Trump-Stammwähler abzuziehen? Würde der angeschlagene Trump noch einmal als Spitzenkandidat triumphieren, dürfte das jedenfalls bedeuten: Vorteil Biden.

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