Lawrows hohle Drohung

Behauptete Stärke

von Redaktion

VON MARCUS MÄCKLER

Der Minister für Geraune hat wieder zugeschlagen: Sergej Lawrow – einst ein geschätzter Diplomat, heute eine tragische, auf internationaler Bühne schon verlachte Figur – droht der EU mit Konsequenzen für „feindselige Schritte“, ergo: die Unterstützung der Ukraine. Da lässt sich vieles hineinlesen und genau das bezweckt die Kreml-Angstmaschine: Fürchte dich, Europa, unser Zorn wird dich treffen.

Tatsächlich zeigt Lawrows Drohung vor allem, wie sehr sich diese Masche abgenutzt hat. Zu oft haben der Kreml und seine Propaganda-Lautsprecher den Westen schon zur Kriegspartei, zum feindlichen Akteur, seine Führer zu Russland-Feinden und Nazis erklärt, nur mit dem Zweck, breites Zittern vor irgendwelchen Folgen auszulösen, Zusammenhalt zu brechen. Das ging gehörig nach hinten los. Der jüngste Beweis dafür ist der Beitritt Finnlands zur Nato, der jetzt vollzogen ist. Die Grenze zwischen Russland und dem Militärbündnis hat sich damit mehr als verdoppelt und die Nato ist um ein Mitglied reicher, das eine mögliche Gefahr durch Russland militärisch immer mitgedacht hat.

Gemessen an Putins Ziel, die Nato zurückzudrängen, ist das Ergebnis ein Scheitern auf ganzer Linie. Der Kreml-Herrscher hat das Bündnis, von dem er sich angeblich so bedroht fühlt, noch stärker gemacht. Das Geraune, das natürlich auch nach innen gerichtet ist, um offensichtliche Schwäche mit behaupteter Stärke zu kontern, wird vor diesem Hintergrund womöglich noch zunehmen. Lassen wir uns davon nicht verunsichern.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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