Brüssel – Finnland ist unter dem Eindruck des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine der Nato beigetreten. Außenminister Pekka Haavisto übergab gestern im Nato-Hauptquartier in Brüssel die Beitrittsurkunde an US-Außenminister Antony Blinken, der sie am Gründungsort des Verteidigungsbündnisses in Washington verwahren wird. Blinken sprach von einem „historischen Tag“.
„In Zeiten wie diesen sind Freunde und Verbündete wichtiger denn je“, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. „Und Finnland hat jetzt die stärksten Freunde und Verbündeten der Welt.“ Der russische Präsident Wladimir Putin habe die Tür der Nato zuschlagen wollen. „Heute zeigen wir der Welt, dass er damit gescheitert ist.“ Finnlands Präsident Sauli Niinistö sagte, die Zeit der militärischen Bündnisfreiheit Finnlands sei nun zu Ende gegangen. „Eine neue Ära beginnt.“
Zahlreiche Staats- und Regierungschefs anderer Nato-Staaten schickten Glückwünsche. Dass Finnland Nato-Mitglied sei, sei eine gute Nachricht und ein Gewinn für die transatlantische Sicherheit, erklärte Bundeskanzler Olaf Scholz via Twitter. Das Bündnis wachse „um einen starken Freund“.
Im Anschluss an die Übergabe der Urkunde wurde die finnische Flagge erstmals vor dem Nato-Hauptquartier gehisst. „31 Flaggen wehen zusammen als Symbol für unsere Einheit und unsere Solidarität“, sagte Stoltenberg auf der Zeremonie, bei der auch Bundesaußenministerin Annalena Baerbock und ihre Kollegen der anderen Mitgliedstaaten waren. Direkt nach der Feier kamen sie zum Nato-Außenministertreffen zusammen. Haavisto wurde mit Applaus begrüßt.
Kaum ein Jahr ist es her, dass Finnland die Mitgliedschaft beantragt hat. Die Aufnahme erfolgte genau 74 Jahre nach der Nato-Gründung am 4. April 1949 in Washington. Der Kreml reagierte erwartbar. „Die Erweiterung der Nato ist ein Angriff auf unsere Sicherheit und die nationalen Interessen Russlands“, sagte Sprecher Dmitri Peskow. Man sei zu Gegenmaßnahmen gezwungen.
Finnland hat eine 1340 Kilometer lange Grenze zu Russland, die Nato-Außengrenze wächst nun um gut das Doppelte. Der Beitritt ist eine der weitreichendsten Folgen des russischen Krieges. Auch Schweden will Nato-Mitglied werden. Die Türkei und Ungarn blockieren den Beitritt.