Herrmann sorgt sich wegen Gewaltdelikten

von Redaktion

„Probleme nicht unter den Teppich kehren“: Minister will bundesweiten Anstieg analysieren

München – Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) fordert eine tiefer greifende Diskussion über die Entwicklung in der Kriminalitätsstatistik in Deutschland. „Das Mehr an Kriminalität wie die Bundesinnenministerin Faeser mit Corona-Effekten abzutun, greift viel zu kurz und ist eine gefährliche Verharmlosung“, sagte Herrmann unserer Zeitung.

Die SPD-Politikerin Nancy Faeser hatte bei der Vorstellung der Statistik in der vergangenen Woche betont: „Wir sind ein starker Rechtsstaat und ein sicheres Land.“ Vor zehn Jahren sei die Kriminalität größer gewesen. Nach Corona gebe es derzeit aber „Nachholeffekte“.

Für Herrmann greift diese Interpretation zu kurz. „Bedenklich“ sei vor allem der Anstieg im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019. Bundesweit war die Gesamtzahl der Straftaten um 2,2 Prozent gestiegen – während sie in Bayern um 1,9 Prozent sank.

Herrmann will das Augenmerk auf einige bestimmte Kriminalitätsfelder richten. „Auffällige Steigerungen gab es deutschlandweit beispielsweise bei der Gewalt- und bei der Straßenkriminalität“, sagte der CSU-Politiker. Unter Gewaltkriminalität fallen neben Mord und Körperverletzungen auch Vergewaltigungen. Hier verzeichnete man auch in Bayern im Vergleich zu 2019 ein Plus von 3,3 Prozent auf 20 608 Fälle. Bundesweit fiel das Plus aber mit 8,9 Prozent auf 197 202 Fälle noch deutlich höher aus. Zur Straßenkriminalität zählen unter anderem Taschendiebstahl, der Diebstahl aus Kraftfahrzeugen sowie Raubüberfälle auf Straßen. In Bayern sank hier die Fallzahl um satte 5,8 Prozent auf 90 744, während die Fallzahl bundesweit um 0,9 Prozent auf 1,085 Millionen anstieg.

„Anstatt die offensichtlichen Probleme unter den Teppich zu kehren, brauchen wir eine sorgfältige Debatte, warum die Kriminalität nach der Pandemie deutschlandweit höher ist als vor der Pandemie“, sagte Herrmann. Er werde sich bei der kommenden Innenministerkonferenz dafür starkmachen, dass Bund und Länder die Entwicklungen analysieren und entsprechende Konzepte entwickeln. „Der positive Kriminalitätstrend der vergangenen Jahre in Deutschland darf jetzt nicht blauäugig verspielt werden“, so Herrmann.

Der Minister sieht das bayerische Ergebnis auch als Folge der Politik der Staatsregierung. Seit 2008 habe man 8000 zusätzliche Stellen geschaffen, mit mehr als 45 000 Beschäftigten sei eine neue Höchstmarke erreicht.  mik

Artikel 1 von 11