WIE ICH ES SEHE

Frühlingsglaube zu Ostern

von Redaktion

Ostern ist von jeher das Fest des Wandels wie der Hoffnung. In der christlichen Tradition ist es der Wandel des Jesus von Nazareth zum auferstandenen Christus, der die Rettung und das Heil der Welt bedeutet.

Von Ludwig Uhland gibt es das schöne Gedicht Frühlingsglaube mit der zweiten Strophe:

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,

Man weiß nicht, was noch werden mag,

das Blühen will nicht enden.

Es blüht das fernste, tiefste Tal:

Nun, armes Herz, vergiss der Qual!

Nun muss sich alles, alles wenden.

Uhlands Forderung, dass sich alles zur Freiheit wenden muss, passt auch in diese Ostertage. Ein Freund hat mir berichtet, wie Uhlands Frühlingsglaube in der Wendezeit der unseligen DDR auf der Bühne in der Dresdener Semperoper gesungen wurde. Das gesamte Publikum hatte sich damals erhoben und begeistert mitgesungen. Für meinen Freund war das ein überzeugendes Zeichen, dass es mit der DDR aus war.

Angesichts des Mordens in der Ukraine sehnen wir uns am Osterfest besonders nach einer Wende zum Frieden. Dieser Krieg ist so schrecklich, wie Kriege immer waren und immer sein werden. Wir verdanken ihn vor allem einem Mann, der, als in der Dresdener Oper gesungen wurde, dort als Geheimagent Oberst Putin gerade seine Koffer packen musste. Unsere Hoffnung auf Frieden in Europa ruht auf der Erkenntnis, dass er sich nun bei dem Überfall auf die Ukraine verkalkuliert hat und dass er scheitern muss, wie damals in Dresden.

Das bedarf noch großer Anstrengungen von uns allen. Mit einem Satz, der eigentlich gar nicht öffentlich werden sollte, hat Bundesminister Habeck dem ukrainischen Präsidenten gesagt, dass er sich schäme als Deutscher, weil unsere Waffenlieferungen dorthin so schleppend angelaufen sind. Das ist eine noble Aussage und, wenn alle so denken in der Regierung, ein Grund zur österlichen Hoffnung.

Ostern bedeutet überhaupt, dass die Welt eben nicht in allem verloren ist. Auch bei der Umweltfrage gilt es, sich hoffnungsvoll auf die Zukunft vorzubereiten, anstatt in jedem Naturereignis nur den Vorboten des kommenden Unterganges zu sehen. Der in der Ukraine so klarsichtige Minister darf in der notwendigen Umweltwende nicht alles auf grüne Ideologie, Verbotsgesetze und Wirtschaftslenkung setzen. Die Entdeckungskräfte von Wissenschaft, Vernunft, Wettbewerb und Marktwirtschaft haben schon heute dazu geführt, dass wir wesentlich umweltschonender und mit weniger Ressourcenverbrauch wirtschaften. Dass die Menschheit sich ins Verderben stürzt durch eigenes Handeln, ist überhaupt sehr unwahrscheinlich. Die größte Gefahr einer Menschheitskatastrophe droht immer noch durch den Einsatz von Atomwaffen. Auf längere Sicht kann auch die Erderwärmung, soweit sie von Menschen verursacht ist, tödlich werden. Es gilt daher vor allem, mehr emissionsarme Energieformen zu nutzen. Dieser Weg führt zum Heil. Aber wir müssen ihn in Gemeinschaft mit unseren Nachbarländern im österlichen Geist von Offenheit und Freiheit gehen.

Schreiben Sie an:

Ippen@ovb.net

VON DIRK IPPEN

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