Sehr geehrter Herr Netschajew,
wir, Redakteure deutscher Medienhäuser, Publizistinnen, Herausgeber, Verlegerinnen und Medienschaffende, fordern die russische Regierung auf, Evan Gershkovich, der Ende März 2023 in Jekaterinburg festgenommen wurde, unverzüglich und bedingungslos freizulassen.
Evan Gershkovich, US-amerikanischer Staatsbürger, ist ein angesehener Journalist des „Wall Street Journal“. Für seinen jetzigen Arbeitgeber und für mehrere andere Publikationen hat Evan Gershkovich stets genau, fair und ausführlich über Russland berichtet.
Seine lange und herausragende Erfolgsbilanz ist der beste Beweis für die Absurdität der Spionagevorwürfe, die jetzt gegen ihn erhoben werden. Evan Gershkovich ist über jeden Verdacht erhaben.
Die unrechtmäßige Verhaftung von Evan Gershkovich hat westliche Medien dazu veranlasst, erneut Korrespondenten aus Moskau abzuziehen. Das höhlt die Pressefreiheit in Russland weiter aus, denn diese Korrespondenten müssen nun aus der Ferne über die Situation in Russland berichten – viele von ihnen aus Berlin. Das ist eine Entwicklung, die die Welt seit dem Höhepunkt des Kalten Krieges nicht mehr erlebt hat.
Solche Maßnahmen verhindern, dass deutsche Mediennutzer ein authentisches Bild Russlands erhalten können. Und sie gefährden und schaden Russland selbst: Besonders in Deutschland wissen wir, wohin die mutwillige Zerstörung von Grundrechten führt.
Journalismus ist kein Verbrechen. Evan Gershkovich gehört nicht in ein Moskauer Gefängnis. Evan Gershkovich muss sofort freigelassen werden und er muss seine Arbeit wieder aufnehmen dürfen: Fakten zu berichten, damit die ganze Welt diese lesen kann.
Die Redaktion