Paris – Frankreichs Präsident Emmanuel Macron pocht beim Konflikt um Taiwan auf ein eigenes europäisches Tempo. „Das Schlimmste wäre zu denken, dass wir Europäer bei diesem Thema Mitläufer sein sollten und uns an den amerikanischen Rhythmus und eine chinesische Überreaktion anpassen sollten“, sagte er der französischen Zeitung „Les Echos“.
Macron führte aus: „Unsere Priorität ist es nicht, uns an die Agenda der anderen in allen Regionen der Welt anzupassen.“ Eine Falle für die Europäer wäre es, an einem Moment der Klärung der eigenen strategischen Position in fremden Krisen gefangen zu sein. Europa drohe dann Vasall zwischen den USA und China zu sein, obwohl man ein dritter Pol sein könne.
Macron weilte in der vergangenen Woche zu einem Staatsbesuch in der Volksrepublik. Das Interview wurde während des Rückflugs geführt. Macrons Aussagen brachten ihm in Deutschland heftige Kritik ein. CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen sagte der „Bild“: „Macron scheint von allen guten Geistern verlassen.“ Er warf dem französischen Präsidenten vor, Europa mit solch naiver und gefährlicher Rhetorik zu spalten und zu schwächen. FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai monierte, Macrons Position wäre keine kluge Strategie für Europa.
SPD-Politiker Metin Hakverdi sagte dem „Tagesspiegel“: „Es ist ein schwerer Fehler, sich als Westen ausgerechnet im Umgang mit Peking spalten zu lassen.“ Der Linken-Fraktionsvorsitzende Dietmar Bartsch nannte Macrons Wunsch nach strategischer Unabhängigkeit für Europa ein erstrebenswertes Ziel, sofern es mit dem Ziel verbunden sei, die Friedensmacht der Welt zu werden.