VON WOLFGANG MULKE
Bahnreisen bleiben auf nicht absehbare Zeit ein Glücksspiel. Es wird noch Jahre dauern, bis das Schienennetz wieder halbwegs funktionstüchtig ist. Das gibt die Bundesregierung nun auch zu – die erste, die das wagt. Die Situation auf den Gleisen haben alle Regierungen zuvor, auch unter Beteiligung der Ampelparteien, schöngeredet. Denn sie hätten für eine gute Instandhaltung Geld in die Hand nehmen müssen, ohne daraus großen politischen Gewinn einzustreichen. Beifall der Wähler gibt es für eine rechtzeitig ausgetauschte Weiche eben nicht.
Vorsorge wird nicht belohnt. Das ist ein gravierender Systemfehler. Die Folgen sind bei der Bahn exemplarisch zu beobachten. Die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur nimmt bis hin zu Streckensperrungen immer mehr ab. Die Kosten für die Sanierung steigen in unermessliche Höhen. Das gilt auch für andere Bereiche der Infrastruktur. Beispiel Energiepolitik: Wider besseren Wissens wurde der Ausbau der erneuerbaren Energien hinausgezögert. Nun übersteigen die Kosten für die schnelle Befreiung von Abhängigkeiten bei Energieimporten die der – unterlassenen – frühzeitigen Investitionen bei Weitem. Es war halt bequemer, darauf zu verzichten.
Aus dem Versagen lässt sich lernen, dass eine vorsorgende Wirtschaftspolitik den Wohlstand schützt und die Krisengefahr verringert. Das erfordert aber auch ein Umdenken bei den Menschen. Sie sollten lernen, dass eine fordernde Vorsorge auf lange Sicht besser für sie ist. Aber das wird wohl ein frommer Wunsch bleiben.
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